Aus dem Arbeitsalltag eines deutschen Durchschnitts-Angestellten: Mit dem Auto zum Arbeitsplatz fahren, dann den Aufzug ins Büro nehmen. Stundenlang in orthopädisch bedenklicher Haltung vor dem flackernden PC-Bildschirm sitzen und sich zwischendurch das labbrige Sandwich aus der Kantine einverleiben. Schließlich am Abend völlig ermattet auf die Couch fallen, die mit so guten Vorsätzen eingekaufte Sportausrüstung weiter Staub ansetzen lassen und am nächsten Tag wieder sehenden Auges in den Burnout hineinarbeiten. Gesunder Lebensstil – ein Luxus?

Die Passauer Studierenden Thomas Eckerl, Alina Grüner, Nikolas Rödelberger und Ellen Weigel wollen dies im Rahmen des 5-Euro-Businesswettbewerbs der Universität mit ihrem Unternehmen ändern. Der Name des Projekts: nevit (new vitality). Der Plan: Unternehmen und Gesundheitsdienstleister zusammenbringen.

„nevit ist im Grunde eine Plattform, die Angebote von Partnern aus der Wirtschaftsregion bündelt“, erklärt Thomas. Dafür arbeiten die vier mit regionalen Gesundheits-Anbietern zusammen. Deren unterschiedliche Leistungen, wie gesunde Nahrungsmittel, Sportkurse oder Seminare, fasst das studentische Unternehmen als Pakete zusammen und interessierte Betriebe können diese dann für sich buchen. Von Terminvereinbarung bis Abrechnung übernimmt nevit die gesamte Organisation.

Die nevit-Gründer (von links): Thomas Eckerl, Alina Grüner, Nikolas Rödelberger und Ellen Weigel; Quelle: nevit
Die nevit-Gründer (von links): Thomas Eckerl, Alina Grüner, Nikolas Rödelberger und Ellen Weigel; Quelle: nevit

Entlastung für Firmen

Auch wenn Gesundheit am Arbeitsplatz, gerade in Form der oft zitierten Work-Life-Balance, immer wichtiger werde, glaubt Ellen, dass betriebliche Gesundheitsvorsorge in vielen Unternehmen noch nicht angekommen sei. Der Wille bei den Firmen sei vorhanden, doch oft scheitere es an der zeitintensiven Umsetzung. Aufwand, den die vier Gründer mit ihrem Angebot minimieren wollen. „Die Unternehmen buchen das Paket, den Rest organisieren wir“, fasst Nikolas die nevit-Formel zusammen.

Im Oktober letzten Jahres bekamen die Teilnehmer des Business-Wettbewerbs ihr symbolisches Startkapital von 5 Euro, seitdem arbeiten sie mit Unterstützung von Wirtschaftspaten daran, ein tragfähiges Produkt auf den Markt zu bringen. Seit Januar ist das Basis-Paket von nevit, bestehend aus wöchentlichem Obstkorb und Yoga-Training, in der Testphase. Ein Premium-Paket mit sogenannten Lunch & Learn-Sitzungen ist ebenso geplant, wie Seminare zur Stressbewältigung.

Nachhaltiger Nutzen sorgt für zusätzliche Motivation

Bis zum 1. Februar haben die Wettbewerber noch Zeit, dann entscheiden Juroren bei den Abschlusspräsentationen über die Gewinner. Als einziges B2B-Unternehmen habe nevit es noch einmal deutlich schwieriger, meint Nikolas. „Da wir kein klassisches Produkt herstellen, konnten wir das Weihnachtsgeschäft nicht mitnehmen, das war eher hinderlich“, erklärt er.

Dennoch: Zweifel am Unternehmen kamen den vier Studierenden nie. „Letztendlich ist es eine Idee, die einen Nutzen für die Gesellschaft bringt und über den Wettbewerb hinaus nachhaltig funktioniert. Das ist nochmal eine ganz andere Motivation“, sagt Ellen. Übrigens, wer für die anstehende Prüfungszeit das Gesundheitsbewusstsein wieder in die tiefsten Ecken zu vergraben droht (zumindest trifft dies auf den Autor zu), der sollte nevit auf Facebook und Instagram folgen. Dort posten sie in Form der „nevitchallenge“ regelmäßig ihre besten Tipps, die jeder selbst leicht in seinen Alltag integrieren kann.

Autor: David Liewehr

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