Am 14. November öffnete die Fakultät für Informatik und Mathematik ihre Pforten für StipendiatInnen und solche, die es noch werden wollen. Ich habe an der Podiumsdiskussion der verschiedenen Begabtenförderwerke teilgenommen, um mir einen Weg durch das Dickicht der Stipendienmöglichkeiten zu bahnen.

„Wer bietet mehr?“, fragt die Leiterin der Podiumsdiskussion. Wie bei einer Auktion überboten sich die zehn anwesenden Vertreter der Begabtenförderwerke gegenseitig um die besten Alleinstellungsmerkmale und die vielfältigste Förderung.

Bin ich überhaupt gut genug für ein Stipendium? Die Bewerbung ist so kompliziert – ist es die Mühe wert? Jeder, der sich schon einmal ungezwungen über Stipendien informieren wollte, ohne sich dabei völlig fehl am Platz vorzukommen, konnte seine unbegründeten Bedenken über Bord werfen.

Mit dem altbewährten Vorurteil „Stipendien bekommen nur Streber“, wurde am Mittwoch aufgeräumt. „Daumen hoch“ zeigten die Schilder der StipendiatInnen einstimmig, auf die Frage, ob denn Noten mittlerweile von ihrem Platz Eins unter den Auswahlkriterien verdrängt wurden. Vielmehr verwiesen die Stiftungen auf andere Qualitäten, die potenzielle Bewerber in sich erkennen sollten. So zählte soziales Engagement zu einer häufig genannten Eigenschaft, die zukünftige StipendiatInnen mitbringen sollten.

Besonders Cusanus und das Evangelische Studentenwerk e.V. Villigst hielten hierzu ihre „Daumen hoch“-Schilder weit in die Luft gestreckt. Da geistliche Stiftungen einen bestimmten Ruf weg haben, betonte der Vertreter von Cusanus ausdrücklich, dass man keineswegs nur positiv über die katholische Kirche urteilen müsse, vielmehr sollte man sich selbst mit seinem eigenen Glauben auseinandersetzen und sich seiner Überzeugungen sicher sein. Er selbst habe den größten Kritiker der katholischen Religionslehre als Mitstipendiaten kennengelernt.

Ähnlich argumentierte die Vertreterin von Villigst. Die evangelische Konfession sei keine Voraussetzung, so ist momentan beispielsweise auch eine Muslima unter den Stipendiaten.

Mit anderen Generalisierungen haben die Stiftungen politischer Orientierungen zu kämpfen, bei denen jedoch eine Zugehörigkeit zu der entsprechenden Partei weder verlangt noch ausdrücklich erwünscht ist. „Es geht insbesondere um die Werte, für die Die Grünen stehen.“, erklärt die Vertreterin der Heinrich-Böll-Stiftung stellvertretend für jedes Förderwerk mit politischem Hintergrund.

Hier die 10 Förderprogramme in je (etwa) drei Worten:

  • Cusanus: katholisch – geistlich – bildungsorientiert
  • Evangelisches Studentenwerk e.V. Villigst: sozial – christlich – weltoffen
  • Friedrich-Naumann-Stiftung: politisch – liberal – eigenständig
  • Friedrich-Ebert-Stiftung: Freiheit – Gerechtigkeit – Sozialität
  • Hans-Böckler-Stiftung: Solidarität – Mitbestimmung – Toleranz
  • Hans-Seidel-Stiftung: CSU – Freiheit – Demokratie
  • Heinrich-Böll-Stiftung: Die Grünen – Vielfalt – Persönlichkeit
  • Konrad-Adenauer-Stiftung: politisch – christlich
  • Stiftung der deutschen Wirtschaft: „Wir stiften Chancen“
  • Studienstiftung des deutschen Volkes: keine Partei – keine Konfession – ideell

Die nicht vertretenen, aber ebenfalls genannten Begabtenförderwerke:

  • Deutschland-Stipendium
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Avicenna-Studienwerk (islamisch)
  • Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk (jüdisch)

„Von der Auswahltagung nicht stressen lassen!“, gibt die Vertretin der Hans-Seidel-Stiftung mit auf den Weg. Denn um die Angst vor dem komplexen Bewerbungsvorgang zu nehmen, teilten die StipendiatInnen ein paar Insider-Tipps. Dabei scheinen Selbstreflektion und eigene Meinung an oberster Stelle zu stehen, was die Stiftungen mit politischem Background betrifft.

Das soziale Engagement kam erneut zur Sprache, neben dem auch die Identifikation mit den jeweiligen Werten der Stiftungen eine große Rolle spielt. Der Stipendiatin von Villigst liege besonders am Herzen, dass die Eltern keineswegs Akademiker sein müssen, um in die Stiftung aufgenommen zu werden. Man solle sich bei den Auswahlgesprächen nie aus der Ruhe bringen lassen, rät der Vertreter von der Friedrich-Naumann-Stiftung.

„Wenn es nichts wird, dann habt ihr nichts verloren, sondern nur eine Erfahrung dazu gewonnen.“, schließt der Stipendiat des Förderwerks Wirtschaft des deutschen Volkes.

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