„Parts of Life“ – Wohlfühl-Techno mit Paul Kalkbrenner

Pauline Bergmann Ressortleiterin Musik & Kunst

Paul Kalkbrenner ist Kult! Im Mai vergangenen Jahres ist sein achtes Album „Parts of Life“ erschienen: Eine sehr persönliche Platte, die den Anschein erweckt, Paul vertone sich selbst in 15 Teilen. Welche persönlichen Empfindungen und Erlebnisse genau in der Platte verarbeitet sind, ist schwer zu sagen, da sie wenig Texte enthält. 

Jedes dieser “Parts of Paul“ trägt im Titel eine Nummer, allerdings erfolgt die Nummerierung nicht nach der Tracklist, sondern fängt mit „Part Eleven“ an und endet mit „Part Eight“. Über den Sinn lässt sich erneut nur spekulieren – ob ein Witz, künstlerische Freiheit oder eine tiefere Bedeutung dahintersteckt, muss sich vermutlich nicht für jeden erschließen. 

„Part One“ erinnert noch am ehesten an vergangene Titel. Trötenmelodie, einige Breaks und eine durchgängige Bassline charakterisieren den Titel. „Part Four“ ist wieder etwas tranciger, während „Part Two“ mit einer heftigen Bassline überrascht. „Part Three“ zielt vermutlich auf die globalen Dancefloors ab und enthält viel Loveparade-typischen Rave-Charme. Die einzigen Werke die vergleichsweise etwas gewöhnlicher und bescheidener erscheinen sind „Part Ten“ und „Part Fourteen“.

Nur das Cover lässt ein wenig auf Pauls Person schließen, da es von seinem Onkel gemalt wurde. Insgesamt zwei Jahre hat dieser an dem Stillleben gearbeitet, das Elemente enthält, die Pauls Leben geprägt haben: unter anderem einen Fliegerhelm aus der ehemaligen Volksarmee, eine Trompete und eine Schachtel Zigaretten. 

Ungefähr zehn Jahre ist der Durchbruch von Paule – wie ihn seine Fans liebevoll nennen – her, als er Doppelplatin für seinen Soundtrack zum Film „Berlin Calling“ erhielt. Nachdem er den Regisseur Hannes Stöhr so gut über die DJ-Szene beraten hatte, übernahm Paul letztlich selbst die Rolle des Hauptdarstellers und performte im Film als DJ Ickarus seinen Welthit „Sky and Sand“. 

Darauf folgte seine Mixtape Trilogie „Back to the Future“, in der er seine Lieblingsmusik aus dem Beginn der Techno-Ära in Berlin dokumentiert. Dies ist zugleich das einzige Album in dem keiner der Songs von Kalkbrenner selbst ist. 

Sein neues Album ist schlicht und geradlinig – und strahlt gleichzeitig pure Lebensfreude aus. Es hält, was der Name Paul Kalkbrenner verspricht: Wabernde Klänge und vereinzelte Vocal-Samples, die eingängig im Kopf bleiben.

Auch bei seinem Konzert Ende Februar im Zenith in München hat er seine Fans mitgerissen. Es wurde gelacht, geschwitzt und getanzt zu über vier Stunden musikalischer Ekstase. Aber nicht nur das neue Album wurde bejubelt, man konnte auch den Klängen alter, bekannter Tracks lauschen, wie zum Beispiel „Feed your Head“ aus dem Album „7“ oder „Altes Kamuffel“ aus dem Album „Berlin Calling“. Den Höhepunkt des Abends landete der DJ natürlich mit seinem Welthit „Sky and Sands“.

Die Stimmung war den ganzen Abend über ausgelassen und die neuen Tracks – verpackt zwischen alten Kalkbrenner-Klassikern – wurden mit Kusshand aufgenommen und gefeiert. Zum Ende hin wurde Paul noch einmal auf die Bühne gejubelt, um eine Zugabe abzuliefern. Arme und Handys wurden empor gezogen und es wurde mit einem weiteren Song gemeinsam das neue Album zelebriert. Paul hat an diesem Abend keinen seiner Fans enttäuscht!

„Parts of Life“ ist vor allem eins: zeitlos und gleichzeitig ein Rückblick auf die Hochzeit der „Raving Society“.

Wenn ihr Fans von melodischem Techno seid, wird euch das Album gefallen!