Langsam kehrt wieder Normalität in den deutschen Einzelhandel zurück. Die wochenlang von Hamsterkäufen geplagten Regale in der Nudelabteilung sind wieder gefüllt. Klopapier hat seinen Status als Wertanlage verloren. Kaum scheinen Deutschlands Supermärkte aus dem Gröbsten heraus zu sein, infiziert schon das nächste Virus die Köpfe der Verbraucher. Unglaubliche 3% Mehrwertsteuersenkung konnte aus der weltweiten Pandemie herausgeschlagen werden. Menschen tötendes Virus vorerst unter Kontrolle, nächster Punkt auf der Prioritätenliste: Die Deutschen mit gesteigerter Kauflaune über frühere Beschränkungen der eigenen Freiheit hinwegtrösten. Das Preissturz-Virus macht vor keinem Supermarkt Halt.

Giftgelbe Aktionsschilder mit dauerhaft reduzierten Preisen schreien einem aus allen Reihen entgegen. Händisch mussten alle Auszeichnungen ausgetauscht werden. Da denke mal einer an all die Bäume, die den Mehrwertsteuersenkungsschildern zum Opfer fallen mussten. Aus ehemals wohl klingenden 1,99€ werden nun ungewohnte 1,94€. Das sonst so einfache Herausgeben des 1-Cent-Stücks mutiert zur Suche nach passendem Rotgeld. Schnelle Überschlagsrechnungen beim Shoppen? Fehlanzeige.

Doch der neue Konsumwahn wird beinahe so sehnlichst herbeigewünscht, wie die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus. Statt in die Forschung, werden lieber Gelder in die Marketingabteilungen gepumpt, um auch das Mindeste aus 3% Nachlass zu holen. „Wir geben die Mehrwertsteuersenkung direkt an Sie weiter“, prahlen Firmen ungewohnt gönnerhaft auf Plakaten, via Fernsehbildschirmen und in Radioansagen. Unmittelbar muss sich der Konsument von heute fragen: Womit habe ich diese Großzügigkeit verdient? Da bekommt man doch glatt das Gefühl, einem stehe die Welt offen! Neuer Flachbildfernseher oder ein Sportwagen, den man sich sonst nicht leisten konnte? Kein Problem, die Mehrwertsteuersenkung Ihres Vertrauens macht es möglich. Soweit zumindest die Theorie penetranter Anpreisungen. Immerhin spart man sich ein paar Euro.

Insbesondere im Supermarkt schlagen die Deutschen jetzt zu. Ein Jahresvorrat an Chips oder Schokolade? Unbedingt noch anhäufen, solange alles ein paar Cent billiger ist. Szenen von Abstand haltenden Einkäufern, die geduldig darauf warten, an das letzte Päckchen Backhefe zu gelangen, gehören der Vergangenheit an. Bald würden wir uns die Ausgangsbeschränkungen zurückwünschen, im Vergleich zu den uns bevorstehenden Zweikämpfen ausgelaugter Hausfrauen zwischen Supermarktregalreihen, auf der Suche nach den besten Schnäppchen. Und wer muss die Launen der Kunden ausbaden? Die Supermarktangestellten. Die KassiererInnen werden reihenweise hinter ihren Plexiglasscheiben umkippen. Diagnose: Burnout.

Macht euch bereit, die Hamsterkäufe gehen in die zweite Runde. Diese drastische Mehrwertsteuersenkung muss vollumfänglich ausgenutzt werden! Wer weiß, wann uns eine weltweite Pandemie mal wieder ein paar Cent spart…

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