Das Sommersemester ist gerade vorbei, die Klausuren geschrieben und ich stecke mitten im Hausarbeiten-Stress. Kommen dann die wohlverdienten Semesterferien? Nichts da! Am 7. September geht die Uni für mich munter weiter, dann allerdings in Grenoble in Frankreich.

Es kommt mir vor, als wäre es Jahre her, dass ich mich letzten Winter für das Auslandssemester beworben habe. Da wussten wir noch nichts von Corona; Partys, Clubs und Konzerte waren für mich fest eingeplant. In den letzten Monaten kamen mir dann doch auch Zweifel: Was, wenn ich das Auslandssemester nicht antreten kann? Was, wenn die Kurse nur Online stattfinden? Will ich unter diesen unsicheren Bedingungen überhaupt ins Ausland?

Nachdem meine Austausch-Uni kommuniziert hat, dass das Semester zum Teil in Präsenz stattfinden wird, nämlich immer abwechselnd eine Woche normal, eine online, war klar: ich will gehen. Denn Sprachen lernen und reisen waren schon immer meine Lieblingsbeschäftigungen. In meinem Studiengang (MuK) ist ein Auslandssemester nicht verpflichtend, ich wollte die Chance allerdings trotzdem nutzen. Das Erasmus-Programm ist mit seiner Förderung (die für Frankreich dieses Jahr 390€ monatlich beträgt) ein zu gutes Angebot, um es nicht zu nutzen.

Warum Frankreich?

Bei den vielen Möglichkeiten, die Erasmus bietet, ist es mir schwergefallen, mich zu entscheiden. Osteuropa oder Skandinavien haben mich gereizt, denn dort war ich noch nie. Spanien hat mich auch angelacht. Spanisch ist meine Lieblingssprache und ich fühle mich Land und Leuten sehr verbunden. Für Frankreich habe ich mich schlussendlich wegen der Sprache entschieden. Denn ich hatte Französisch als Leistungskurs im Abi, aber seitdem habe ich es, im Gegensatz zu Spanisch, nicht mehr benutzt. Die Vorstellung, eine Sprache zu verlernen, macht mich unzufrieden und deshalb habe ich beschlossen, das eingerostete französisch mal wieder auf Vordermann zu bringen.

In Grenoble hat mich die Uni und die Stadt überzeugt. Ich gehe an die SciencesPo, das Institut für Politikwissenschaften. Ich kann mir zwar keine ECTS für mein MuK-Studium in Passau anrechnen lassen, allerdings freue ich mich, mal in andere Themengebiete reinzuschnuppern und meinen Horizont zu erweitern. Ein Semester ohne Notendruck, in dem ich belegen kann, was mich ehrlich interessiert und nicht, was ich eben nach Modulplan abarbeiten muss.

Die Stadt liegt im Süden Frankreichs, in den Alpen. Ich erhoffe mir von diesem Wintersemester Wanderungen mit Alpenpanorama und Pulverschnee auf weißen Skipisten.

Vorbereitungen

Vor so einem Auslandssemester will natürlich jede Menge erledigt und organisiert werden. Die Papierstapel an Dokumenten sind hoch, die vielen Abgabefristen kommen in meinem Kopf ganz durcheinander. Außerdem muss das WG-Zimmer untervermietet werden, ich muss mich um eine Unterkunft in Grenoble kümmern und die Anreise planen.
Mein Zimmer unterzuvermieten war gar nicht so einfach. Da das Semester in Frankreich so früh beginnt, sind in Passau noch nicht allzu viele Leute auf der Suche nach einem Zimmer. Schlussendlich hat es dann aber doch geklappt und ich habe über WG gesucht jemanden gefunden, dem ich mein Zimmer und meine Pflanzen gern für ein paar Monate überlasse. Dann musste ich ja selbst noch unterkommen. In Grenoble wird allen Erasmus-Student*innen ein Platz in einem der Wohnheime garantiert. Das kam mir ganz gelegen, denn solange es unsicher war, ob ich unter Corona-Auflagen überhaupt gehen kann und möchte, wollte ich nicht einen Riesenaufwand zur Wohnungssuche betreiben, der dann vielleicht ganz umsonst gewesen wäre. Also habe ich mich online beworben und wurde einem Wohnheim zugeteilt, das sogar recht passabel aussieht und nur 10 Minuten Radweg von der Uni entfernt ist.

der Polo ist bereit für die Reise

Erasmus bringt unweigerlich jede Menge bürokratischen Papierkram mit sich. Auch der will erledigt werden: das Learning Agreement (Dokument zu den Kursen, die belegt werden) habe ich vor einigen Wochen schon nach Grenoble und Passau gesendet, jetzt kurz vor der Abreise muss das Grant Agreement (Vereinbarung zur finanziellen Förderung) ausgefüllt werden. Außerdem Unterlagen und Verträge für das Wohnheim. Wer hier mehr Infos will, wie das Erasmus-Semester organisatorisch abläuft, wann welche Dokumente wo einzureichen sind findet das in unserem Artikel Alles Wichtige für die Planung eines Auslandsstudiums.

Wenn alles Organisatorische erledigt ist, geht es dann auch schon ans Eingemachte. Die Zeit in Passau neigt sich rasend schnell dem Ende zu: ein letztes Mal in die Bib zur Literaturrecherche, ein letztes Puro Gelato Eis bei Sonnenuntergang an der Donau und schon muss ich meine Siebensachen packen.

Gut sortierte Umzugskisten, Ordnung und Strategie? Alles Fremdwörter für mich. Einen Tag vor der Abreise aus Passau habe ich alles in Kisten geworfen, wild durcheinander. Jetzt bin ich bei meinen Eltern, wo ich ein paar Dinge für das Semester zwischenlagern werde und muss wohl nochmal umpacken, denn mein Polo ist voll mit Zeug, das in meinem 12qm Wohnheimzimmer wohl keinen Platz finden wird. Wer´s nicht gleich richtig macht, hat eben zwei Mal Arbeit.

Stimmung

In den letzten Wochen bin ich stark zwischen Vorfreude und Zweifel geschwankt. Zweifel, weil ich nicht weiß, was mich im Auslandssemester erwartet und was ich hoffen darf. Schwierigkeiten mein Leben und meine Freunde in Passau gehen zu lassen. Ein wenig Angst, dass es unter Corona-Umständen vielleicht gar nicht möglich ist, neue Leute kennenzulernen. Als ich mir dann auch noch eine Knieverletzung zugezogen habe und nicht sicher war, ob wandern oder skifahren überhaupt möglich ist, war ich ziemlich resigniert und hatte keine Lust mehr zu gehen. Doch inzwischen habe ich Hoffnung, dass das Knie bald wieder belastbar ist und ich denke im Wohnheim findet man auch schnell Anschluss. Jetzt, so kurz vor der Abreise freue ich mich jeden Tag mehr und bin zuversichtlich, das Beste aus meiner Situation rauszuholen. Ich bin gespannt auf das, was da kommt.

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