Durch Social Distancing, Quarantäne und die bis heute andauernden Folgen von Corona hat sich bei vielen von uns auch das Online- Verhalten verändert. Man verbringt noch mehr Zeit in den sozialen Netzwerken als zuvor. Das kann einerseits durchaus positiv sein, wenn die Lieblingsband auf einmal einen Livestream startet und somit versucht den Konzertbesuch zu ersetzen oder Apps wie Houseparty es ermöglichen virtuelle Bierpongturniere zu veranstalten.

Andererseits hat man auch mehr Zeit in der Welt von Instagram und Co zu versinken. Diese Plattformen führen uns fast immer ein verzerrtes Bild der Realität vor, zwischen zahlreichen Bananenbrot- Stories und Posts mit dem #stayhome, finden sich auch zahlreiche Schnappschüsse vom täglichen Home – Workouts: Pamela Reif ist gefragt wie nie.

Durch die Corona Krise scheinen sich zwei Lager gebildet zu haben. Die, die durch die geschlossenen Fitnessstudios keine Motivation mehr finden Sport zu treiben und auf dem Sofa mit ihrer Chipstüte versinken und die, die durch die neu gewonnen Freizeit, auf einmal ins Home – Workout – Fieber verfallen.

Grundsätzlich haben beide Seiten ihre Vor- und Nachteile. Das Problem ist nur beim „auf dem Sofa versinken“ greift man auch schnell mal zum Handy und das birgt dann unglaubliches Frustpotential, wenn Pamela ihren Pfirsichpopo präsentiert und die alte Schulfreundin heute unter dem #stayhomeandstayhealthy eine Stunde mit ihrem Hund joggen war. Anstatt zu denken: „Ja gut ich hatte aber auch einen schönen Tag mit Netflix and Chips“, ist die Stimmung irgendwie im Eimer. Schnell noch vor die Tür #latenightrun.

Die ursprüngliche Idee von Social Media, uns alle einander näher zu bringen, wurde schon häufiger hinterfragt. Besonders durch Instagram hat man das Gefühl, dass eine Art Konkurrenz- und Leistungsdruck entstanden ist. Man ist ständig, wenn vielleicht auch nur unterbewusst, damit beschäftigt seinen Körper und sein Aussehen mit anderen zu vergleichen.

Durch wenig Kontakt zu anderen in der Corona Zeit hat man durch Instagram beinahe vergessen, dass es so etwas wie einen perfekten Körper eigentlich gar nicht gibt. Die vielen kleinen Schummeleien, die hinter der Entstehung eines Bildes stecken können, verdrängt man und fragt sich: „Warum kann ich nicht so aussehen?“

Hiervon motiviert sind bereits zahlreiche Gegenbewegungen entstanden, unter #bodypositivity ranken sich Millionen Posts mit Cellulite, kurvigen Körpern und unreiner Haut von kleinen und großen Menschen, mit ihren verschiedensten Problemzonen. Überwiegend Frauen. Es gibt Accounts auf Instagram, die sich ausschließlich mit dem Posten von den sogenannten „Problemzonen“ beschäftigen und versuchen ein authentischeres Körperbild zu vermitteln.

Trotzdem scheinen solche Seiten und Posts nicht die Macht auf Instagram zu übernehmen. Irgendwo ist das auch logisch, keinem fällt es leicht ein unvorteilhaftes Bild von sich hochzuladen. Man postet in der Regel nur Bilder, auf denen man sich selbst hübsch findet und die zeigen gerade nicht die Problemzonen. Hinzu kommt, dass vieles mit ein bisschen Bildbearbeitung gleich ganz anders aussieht. Dazu brauch man nicht mal unbedingt Photoshop.

Man kann das ganze natürlich auch positiv sehen. Es gibt diverse Accounts, die durch Posts von gesunden Rezepten und Home – Workouts einigen Menschen bereits zu einem gesünderen Lebensstil verholfen haben und vielleicht auch zu ihrer Vorstellung eines „Traumkörpers“. Allerdings ist auch erwiesen, dass die sozialen Medien psychische Krankheiten fördern oder auch erst hervorrufen können.

Der Druck, gerade bei der jüngeren Generation, ist teilweise extrem hoch, dass „cool“ sein und dazu gehören, hört nicht mehr nach der letzten Schulstunde auf, sondern geht online weiter. Somit wird auch der Druck auf den eigenen Körper omnipräsent. Dass man seinen Körper mit dem anderer vergleicht, ist nicht erst seit dem Zeitalter der sozialen Medien der Fall.

Auch in Filmen werden Einem häufig nur makellose, tolle Körper vorgeführt. Die Chanel Kleidchen aus Gossip Girl gibt es eben nur bis Größe 36 und auch Boulevardzeitschriften werben schließlich schon mit den Diätgeheimnissen der Stars. Zudem vermitteln Formate wie Germanys Next Topmodel ein ganz bestimmtes Ideal. Das Körperbild ist von vielen verschiedenen Seiten geprägt und findet durch Instagram nur noch eine weitere Möglichkeit, sich zu festigen. Hier wirken die Personen häufig nahbarer, wie echte Freunde erzählen sie von ihrem neuen, wirkungsvollen Diät Tipp, bewerben Fitness Programme und Sportkleidung.

Gerade Kommentare anderer unter den Posts verstärken das Gefühl, dass fast alle einheitlich einen trainierten, sportlichen Körper bevorzugen. Bei Frauen sollen aber die weiblichen Kurven trotzdem nicht fehlen. In der Realität besitzen allerdings nur die wenigsten einen solchen Körper. Wenn unsere Gesellschaft ohnehin schon immer oberflächlich war, was das Äußere anderer angeht, haben es die sozialen Medien geschafft, dieses Bild zu verhärten. Ein Zurück scheint kaum mehr möglich.

Dating lief früher, auch wenn es komisch klingen mag, teils über Zeitungsannoncen, ohne Bild. In Zeiten von Tinder hat sich das komplett umgekehrt. Der Text wird unwichtig die Bilder zählen. Bei Jungs ist es zum Trend geworden, sich oben ohne im Fitnessstudio ablichten zu lassen. Bei Mädchen sind es freizügige Bikinibilder. Es wird nicht wirklich nach gemeinsamen Interessen gesucht, sondern primär auf das Äußere geachtet.

Erst kürzlich hat Billie Eilish mit einem Video auf Instagram darauf aufmerksam gemacht, dass es eigentlich keinen was angeht, wie ihr Körper aussieht. Nur weil sie in der Öffentlichkeit steht, sei dies noch lange kein Freifahrtschein über ihren Körper zu urteilen. Das Video bekam unfassbar viel Zuspruch. Anders erging es da Adele, die mit einem Post im Mai für Aufsehen sorgte. Auf dem Bild war sie, wie einige meinten, kaum wieder zuerkennen: Sie ist schlank. „Wir vermissen unsere alte Adele!“ „Du hast mir so viel Kraft gegeben zu meinem Körper zu stehen und jetzt?!“ lauten einige der Kommentare.

Die essentielle Frage ist eigentlich:  Wären wir mit unserem Körper zufriedener, wenn wir ohne Körperwertungen aufgewachsen wären?

Machen die Menschen ihre Schönheitsoperationen oder Fitnessprogramme wirklich immer für sich selbst? Weil sie sich so wohler fühlen? Oder vor allem auch, weil sie dadurch das Gefühl haben besser akzeptiert zu werden, attraktiver zu wirken? Nach Außen, nicht nach Innen. Viele, vor allem weibliche Prominenten beklagen, dass der Druck, einem Schönheitsideal zu entsprechen, teils enorm hoch und schon ungesund sei. Das gilt inzwischen fast für alle von uns: Keiner kann behaupten den Druck noch nie gespürt zu haben.

Wir könnten vermutlich ein ganzes Stück glücklicher und zufriedener sein, wenn wir, statt uns gegenseitig zu werten, uns gegenseitig unterstützen und bestärken würden. Egal, ob wir im Home – Workout – Fieber versinken oder lieber auf der Couch chillen. Man sollte nicht das Gefühl haben, irgendeinem Ideal entsprechen zu müssen.

Vieles davon können wir am besten selbst beeinflussen und versuchen zu lernen, uns so zu akzeptieren wie wir sind. Durch Social Media ist das allerdings oft nicht so einfach.

Folgt am besten den Profilen, die euch Spaß beim Anschauen machen und auch motivieren, wenn ihr das wollt. Verabschiedet euch von den Profilen, die euch das Gefühl geben euer Körper ist nicht toll, wie er ist. Auch wenn es einem manchmal schwer fällt zu glauben, unserer Körper leisten kann schön viel und sind nicht primär dafür gedacht als Ausstellungsstücke auf Tinder Instagram und Co herzuhalten.

In diesem Sinne #bodypositivity und genießt den Sommer so wie ihr seid!

 

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