Bittersüße Melancholie

Ein Gespräch mit Singer- Songwriterin Carlamari

Es ist ein Freitagabend Anfang Februar in der Uni-Cafeteria des Nikolaklosters in Passau. Zahlreiche Studenten, die sich im Endspurt der Klausurenvorbereitung befinden, haben beschlossen, für ein paar Stunden dem Schreibtisch zu entfliehen – die Stimmung ist aufgekratzt.
Auf der Bühne baut eine junge Frau im Regenbogenpulli ihr Setup, ein MacBook und ein Soundpad, auf. Sie blickt unter ihrem blonden, strubbeligem Kurzhaarschnitt in die Menge. Der erste Beat ertönt und Carlamari beginnt mit ihrer warmen, raumfüllenden Stimme die Melodie zu singen. Immer mehr Menschen verstummen und lauschen den hypnotisierenden Electro-Klängen und Texten.

Carla-María Schmutter alias Carlamari ist Singer-Songwriterin, ihr Genre ist der Electro Pop. Zum Release ihres ersten Albums „Sunny Side Up Sadness“ am 15. Februar haben wir uns mit ihr zum Spiegelei-Essen getroffen. „Bittersüße Melancholie“ beschreibt die Studentin die 9 Songs, an denen sie nun ein Jahr lang gearbeitet hat. Was Carla in dieser Zeit erlebt hat, verarbeitet sie in ihrer Musik: ihr Studium hat begonnen und in ihrer Dating-Welt ist einiges passiert. Es entstanden Songs, die „Einblicke in das Leben einer Passauer MuK-Studentin, die sich von einer Beziehung in die nächste stürzt“ geben. Zwischen den Zeilen finden sich immer wieder Situationen, die jeder kennt: „Wenn man hinter den Text schaut, merkt man glaub ich, dass es einem auch so geht“, sagt die 20-Jährige.

Ein Beispiel: „This is not how love works“. Es geht um eine Tinder-Liebelei und die Schwierigkeiten, die das Daten heutzutage mit sich bringt. In dem Acapella-artigen Song legt die Künstlerin ihre Stimme in verschiedenen Tonlagen übereinander, schmückt das mit eingesprochenen Zitaten aus Tinder-Nachrichten und rundet alles mit einem eingängigen Beat ab. Heraus kommt ein erfrischend experimentierfreudiger Ohrwurm, der aufzeigt, wie verquer moderne Dating-Konventionen sind: „Or should I be waiting till I’m not called easy?“. Statt uns aufeinander einzulassen, erschaffen wir eine künstliche Distanz, sagt Carlamari. „Wenn man jemanden gern hat, dann muss man nicht auf ‚Ich bin schwer zu bekommen‘ spielen. Habt euch einfach lieb“, meint Carlamari.

Musik macht sie eigentlich schon immer, angefangen bei musikalischer Früherziehung im Kindergartenalter. Ihre ersten Songs schreibt sie mit 14 während eines Auslandsjahres in Irland: „Komische Liebeslieder und viel zu dramatisch. Ich hatte keinen Plan vom Leben, aber Hauptsache dramatisch sein“.
Ihre ersten Fans fand sie in der eigenen Familie: Als die Großeltern verzweifelt versuchen, über SoundCloud die Musik ihrer Enkelin abzuspielen, beschließt Carla, auf der leichter verständlichen Plattform Spotify ihre erste EP („Toulouse“) zu veröffentlichen. „Ich hab gecheckt, dass ich keinen Plattenvertrag brauche, um etwas aufzunehmen“.

Mit „Sunny Side Up Sadness“ setzt Carla nun mit ihrem ersten Album nach. Neu ist neben dem Künstlernamen auch der Stil: Electro Pop. Das Beats-basteln hat sich Carla im letzten Jahr selbst beigebracht. Es stecke nun viel mehr Zeit hinter den Songs, welche sie mit Hilfe ihres Freundes zu Hause aufgenommen hätte. Abgemischt wurde das Album von ihrem Mitbewohner. Der Titel der Platte verkörpere Carlas Gefühlswelt, erklärt sie uns. Vor allem Negatives nehme sie sehr intensiv wahr, fühle sich daher oft „matt“ und sei aber gleichzeitig ein Mensch, der immer einen witzigen Spruch auf den Lippen hat. Die Spiegelei-Analogie in Cover und Titel solle dem Ganzen die Schwere nehmen, denn: „Eigentlich ist alles okay“.

Carlamari, die die Idee für ihren neuen Künstlernamen übrigens ihren Bankauszügen verdankt (diese gehen mit Doppelnamen rabiat um), findet außerdem, mit einem guten Spiegelei verhält es sich wie mit guter Musik: man muss auf zu viel Schnickschnack drumherum verzichten. Plain and Simple, sonst wird es ungenießbar.

Carlamaris nächster Auftritt in Passau findet am 24.03.2019 im Café Museum statt. Auch größere Gigs, unter anderem am 27. März in Berlin, sind geplant.

Beitragsbild: Martin Ehrhardt