Am 19./20. Januar fand das Impuls Festival – ein Popkultur- und Clubkonzertfestival –  zum dritten Mal in Passau statt. Dem Verein „Impuls e.V.“ liegt die Förderung der lokalen Musikszene sehr am Herzen, deswegen wurden dieses Jahr 35 Konzerte (mit einem bunten Genre-Mix: Indie, Alternative, Rock, Hip-Hop, Blues, Psychedelic) sowie eine Vielzahl an Workshops (Songtexte schreiben, Fotografie, popkulturelle Stadtführung) angeboten.
Zwei Redakteurinnen fassen ihre Eindrücke zusammen.

Freitag, 1. Festivaltag

THE WHISKEY FOUNDATION, Freitag, 19.30 Uhr, Redoute
Die 2011 gegründete Münchner Blues/Psychedelic-Rock-Band gab den Startschuss für das IMPULS FESTIVAL in Passau. Der Sänger Murat Kaydirma interagierte während des Auftritts mit dem Publikum und regte es zum Mitmachen an: „Shake your hips!“, „Habt ihr Bock zu tanzen?“, „Wir freuen uns, als erste Band zu spielen, dann können wir uns danach besaufen und mit euch feiern!“ und verstand es, die Menge mitzureißen. Die ausgelassene Stimmung im Konzertsaal und das euphorisch tanzende Publikum bestätigten: Die Whiskey Foundation braucht keinen Whiskey, um die Leute zu begeistern.

SWEET LEMON, Freitag, 21.30 Uhr, Cafe Museum
Klassische Elemente treffen auf einen Mix aus Jazz, Soul und Blues – das ist Sweet Lemon. Für die Schwestern Lena und Sophia Haslberger aus München begann alles bereits im Kinderzimmer. Mit zwölf Jahren gründeten die heute  19-Jährigen ihre Band Sweet Lemon. 2016 erschien das erste Album „Inner Rhythm“.
Die beiden bevorzugen kleine Locations, wie an diesem Abend das Cafe Museum, denn „dort kann man die Leute direkt erreichen“. Die selbst verfassten Songtexte der beiden treffen den Zahn der Zeit: da geht es um zerbrochene Träume, die kommerzialisierte Musikindustrie oder verlorene Liebe. „Am besten ist der Herbst mit der melancholischen Stimmung für neue Songs. Oft fallen einem die Texte aber auch spontan ein. Dann tauschen wir uns aus und suchen passende Akkorde“, erzählt Lena.
Mit ihren sanften, leichten Soulstimmen in Kombination mit Klavier, Bass und Akustik-Gitarre schaffen sie einen harmonischen und lebendigen Klang, dem jedoch teilweise das Verruchte typischer Bluesstimmen à la Billie Holiday fehlt.

Samstag, 2. Festivaltag

LILLY AMONG CLOUDS, Samstag, 21.00 Uhr, Heiliggeistkirche
Unter dem Kreuz in der Heiliggeistkirche hat sich die Künstlerin Lilly mit dem Musiker Ludwig Bauer positioniert. Die Kirche verstärkt mit ihrer geheimnisvollen Stimmung die sehnsuchtsvollen Songs der Würzburgerin. Lilly lädt zum Mitsingen ein und führt mit Herzschmerz-Songs durch das valley of tears. Ihre starke, voluminöse Stimme erfüllt trotz einer kleinen Erkältung die Mauern der Kirche und bleibt in Erinnerung. Gerade weil Lilly sich in ihren Ansagen hin und wieder verhaspelt, wirkt sie umso sympathischer und nahbarer. Ein Blick ins Publikum zeigt, dass die Zuhörer während des Auftritts gedankenverloren durch die Kirche schauen und sich komplett der Musik und ihren Gedanken hingeben. Am Ende jeden Liedes hallt eine ehrfurchtsvolle Stille in der Kirche nach, die erst vom tosenden Applaus des Publikums durchbrochen wird.

ANKATHIE KOI, Samstag, 22.45 Uhr, Zeughaus
Leoparden-Blouson mit Puffärmeln, knappe Ledershorts, Cowboystiefel und Vokuhila-Mähne. Überdreht, bunt und schrill – Ankathie Koi scheint wie eine Zeitreisende direkt den 80ern entsprungen zu sein. Fans in der ersten Reihe des Zeughauses tanzen begeistert, ganz nach dem Geschmack der Sängerin in Glitzerleggings und Paillettenjacke.
Die ausgebildete Jazz-Sängerin sorgt, neben wilden Tanzexzessen im Publikum mit ihrer beeindruckenden 3-Oktaven-Stimme auch für Gänsehaut-Momente.

SUNLIT PYRAMIDE, Samstag, 22.45 Uhr, Scharfrichterhaus
Die vierköpfige Band aus Viechtach, die sich nicht auf ein einziges Genre festlegen möchte, heizte dem Publikum im Keller des Scharfrichterhauses ordentlich ein. Mit einer Mischung aus Rock, Jazz, Funk, Pop und Hip-Hop konnten sie jeden Anwesenden mitreißen. Das Publikum bestand überwiegend aus Studenten, vermutlich auch aus ein paar eingefleischten Fans, die immer wieder durch bekräftigende Rufe und exzessives Tanzen auffielen. Da sich herausstellte, dass die vier Musiker auch im persönlichen Gespräch sehr unterhaltsam sind, folgt ein eigenes Interview in Kürze.

MOTHER’S CAKE, Samstag, 23.15 Uhr, Redoute
Die Stoner-Psychedelic-Rock-Band aus Innsbruck war der letzte Act des Festivals und überzeugte durch ihre beeindruckende Ausdauer während des Auftritts. Die Künstler selbst benötigten zwischen den einzelnen Songs fast keine Pausen, wodurch das tanzende Publikum ins Schwitzen geriet. Die Bandmitglieder – deren Haarlänge so manches Mädchen neidisch erblassen lässt – lieferten einen würdigen Schlussauftritt ab.

DJ KRISS KREMIG „Funk und Liebe!“, Samstag, ab 0.00 Uhr, Scharfrichterhaus
Auf der Afterparty wusste DJ Kriss Kremig mit abwechslungsreichen Songs die Gäste bis in die frühen Morgenstunden zum Tanzen zu motivieren. Die Stimmung war hier genauso gut, wie die während der einzelnen Auftritte. Im Keller des Scharfrichterhauses trafen dann sogar Künstler auf Fans, sodass es schwer fiel, die Veranstaltung zu verlassen.

Fotos von Valentin Brandes. https://www.facebook.com/vbrandesphotography/

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