Netflix Film: Someone Great – Alkohol gegen Trennungsschmerz

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Viola Hobbie Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Netflix Eigenproduktionen sind gefragt wie nie, viele der Filme beschäftigen sich mit der Jugend und dem jungen Erwachsensein und erreichen damit vermutlich auch ihren größten Abonnentenkreis. Es dreht sich also viel um Partys, die Suche nach der großen Liebe und die Frage, wo man mit seinem Leben hinmöchte. Dies alles sind auch zentrale Themen des Films Someone Great.

Die junge Musikjournalistin Jenny bekommt ein lukratives Jobangebot, müsste dafür aber aus ihrer Heimat New York wegziehen. Das bedeutet für sie, weg von ihren Freundinnen und vor allem weg von ihrem Freund Nate, mit dem sie bereits seit 9 Jahren zusammen ist. Nate entscheidet sich dafür nach den Jobneuigkeiten kurzerhand mit Jenny Schluss zu machen, woraufhin sie sich erstmal was Hochprozentiges am Kiosk kauft, um sich damit an der U-Bahn-Station zu betrinken.

Ihre beiden besten Freundinnen Erin und Blair stecken auch gerade in ihren ganz eigenen Krisen; die Eine bringt es nicht übers Herz ihrer Freundin ihre Liebe zu gestehen, die Andere schafft es nicht sich von ihrem Freund, mit dem es eigentlich schon lange nicht mehr gut läuft, Schluss zu machen. Kurzerhand schlägt Jenny vor, sie sollten alle zusammen eine epische Partynacht verbringen, um das alles hinter sich zu lassen und ihre Sorgen zu vergessen, beziehungsweise in Alkohol zu ertränken. Die Karten für die legendäre Party zu der sie wollen, muss sich Bair dann noch schnell von einem Bekannten durch ein kleines Schäferstündchen erkaufen, aber das ist nur Nebensache, denn ihre Beziehung läuft ja sowieso nicht mehr. Die Partynacht geht los – Jenny, die eigentlich viel zu frustriert ist, um mit Alkohol irgendwas zu retten, schwelgt in Erinnerungen und der Zuschauer bekommt durch mehrere Flashbacks einen Einblick in die Beziehung und erkennt, dass die Trennung eventuell doch mehr Gründe hat, als nur Jennys neuer Job. Der wohl schönste Moment ist, als Jenny beschließt von der Party zu gehen und ihre Gedanken zu ihrer Beziehung in einem Brief an Nate festzuhalten:

„When something breaks, if the pieces are large enough you can fix it. Unfortunately sometimes things don’t break, they shatter but when you let the light in, shattered glass will glitter and in those moments, when the pieces of what we were catch the sun. I will remember just how beautiful it was, just how beautiful it will always be, cause it was us and we were magic- forever“

Blair und Erin stellen sich ebenfalls ihren Problemen und so treffen die Freundinnen am Ende des Abends wieder aufeinander. Jenny übergibt sich dann nochmal kurz im nahgelegenen Brunnen und der Film endet.

Zurück bleibt die große Frage: Ist für uns junge Menschen heutzutage der einzige Weg mit Kummer, Schmerz und Sorgen umzugehen, sich zu betrinken und sich dann wortwörtlich mal so richtig auszukotzen?  Im Film ist der Alkohol von Anfang an eine positive Lösung und Normalität für junge Menschen – sich zu übergeben und danach munter weiter zu feiern, ist ganz einfach, zumindest im Film, in der Realität ist dies eher fragwürdig. Zudem empfinden Partygänger nach einer wilden Nacht häufig ein Schamgefühl für ihre betrunkenen Handlungen, aber es gibt kaum Filme, in denen das thematisiert wird. In mehreren Szenen kiffen Jenny und ihre Freundinnen eine gängige Partydroge, die zur Normalität geworden zu sein scheint. Nebenwirkungen würden dem Film den Komödiencharakter nehmen. Interessant ist immer wieder, dass häufig vor allem in amerikanischen Filmen gekifft und getrunken wird was das Zeug hält, in der Realität aber alkoholische Getränke in der Öffentlichkeit zu trinken verboten ist und sie zudem extrem überteuert sind. Das tolle an Alkohol ist, dass er einen die Sorgen vergessen lässt und gute Laune und Gelassenheit verbreitet, doch wenn es einem richtig schlecht geht, hilft es auch nichts und spätestens am nächsten Morgen kommt das böse Erwachen, wenn die Probleme immer noch da sind und zusätzlich ein riesen Kater. So erkennt auch Jenny im Film, dass sie einfach nicht in Partylaune ist und erstmal reflektieren muss, was gerade in ihrem Leben passiert ist. Zum Feiern ist Alkohol eine nette Sache, zur Problembewältigung nur kurzeitig sinnvoll, aber wir sind ja jung da kann man das schon mal machen.

Fazit der blank- Autorin:  Auch wenn der Film sich an manche Stellen doch ziemlich zieht und vieles etwas vorhersehbar ist, ist die Reise durch die Beziehung schön erzählt. Es handelt sich nicht um eine typische Romantikkomödie und vor allem erhält man die Erkenntnis, dass Männer kommen und gehen, Freundinnen aber für immer bleiben.

Bildquelle: https://themontclarion.org/entertainment