In einer Zeit voller Krisen jung zu sein, bedeutet, vor einer unsicheren Zukunft zu stehen. Wir haben am Campus der Uni Passau nachgefragt, was euch am meisten Angst macht. Den drei größten Zukunftsängsten widmen wir in der Reihe „Generation Zukunftsangst“ je einen Artikel, um dem ein bisschen Mut entgegenzusetzen.
Die Klimakrise ist nicht neu. Wir wissen alle, dass es schlecht um unsere Erde steht. Aber tun wir genug dafür, hier noch lange gut leben zu können? Aktuell gerät der Umweltschutz etwas in Vergessenheit. 2019 nannten noch 63 Prozent der Befragten im ARD-DeutschlandTrend Klimaschutz als ihr dringendstes Anliegen, 2025 waren es nur noch 14 Prozent. Die Nachrichten erzählen von Rekordhitze, von Gletschern, die schmelzen, von ganzen Arten, die aussterben, Klimaziele werden wieder nicht erreicht und verschoben, der erste Kipppunkt ist überschritten und das Wetter wird spürbar extremer. Ist alles zu spät? Können wir die Klimakatastrophe überhaupt noch stoppen, oder ist es Zeit, aufzugeben?


Bei den vielen schlechten Nachrichten kann schnell alles zu viel sein. Da ist es verständlich, die ganzen Krisen einfach ausschalten zu wollen. Nachrichtenmüdigkeit heißt das und bedeutet, bestimmte Nachrichtenthemen zu vermeiden oder gar keine Nachrichten mehr zu konsumieren. Was dagegen helfen kann, ist eine ausgewogenere Berichterstattung. In dem Mediensystem ist das eine Herausforderung, denn Ereignisse werden nicht irgendwie zur Nachricht. Nur die wichtigsten und interessantesten Neuigkeiten mit hohem Nachrichtenwert schaffen es auf Titelseiten und in die Abendschau. Auf den Medien lastet der Druck, viele Klicks und Einschaltquoten zu generieren, schließlich verdienen sie damit ihr Geld. Und Klicks bekommen vor allem negative Headlines. Defizite, Katastrophen, verfehlte Klimapolitik oder das Überschreiten von Kipppunkten ziehen viel schneller die Aufmerksamkeit auf sich als die schleichenden Fortschritte, die es sehr wohl gibt. Dadurch entsteht der sogenannte News Bias, ein verzerrtes Bild in der Berichterstattung. Außerdem merken wir uns aus evolutionären Gründen negative Nachrichten deutlich besser, als die positiven, was weiter zu dem Eindruck beiträgt, dass alles den Bach runtergeht. Aber breaking news: Nicht alles ist schlecht!
Tatsächlich gibt es große Fortschritte in der Klimapolitik. Seit den 1990ern hat Deutschland seine Treibhausgasemissionen halbiert. In der Zeit haben wir technische, ökonomische und gesellschaftliche Lösungen gefunden, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Weltklimakonferenzen gibt es erst seit ca. 30 Jahren, haben aber in der kurzen Zeit viel in der internationalen Klimapolitik ausgelöst. Das Pariser Abkommen hat Klimaschutzpolitik auf der ganzen Welt angeregt und die Erwärmungsprognosen deutlich niedrig gehalten. Und erst vorletzte Woche haben sich 141 Länder bei der UNO-Generalversammlung verpflichtet, den Klimawandel aktiv und konsequent zu bekämpfen. China, das für rund ein Drittel der klimaschädlichen Emissionen der ganzen Welt verantwortlich ist, entwickelt sich zum Vorreiter für grüne Technologien. Erneuerbare Energien wachsen immer weiter. Ein Bericht des Thinktanks EMBER zeigt: Im letzten Jahr haben sie erstmals mehr Strom erzeugt als Kohle und 2024 machten sie laut IRENA 92,5 Prozent aller neugebauten Stromproduktionskapazitäten aus. Auch in den eigenen vier Wänden der Deutschen wird es ökologisch. Wärmepumpen waren im ersten Halbjahr 2025 die meistverkauften Wärmeerzeuger und haben Gasheizungen überholt. Außerdem waren eine Millionen Balkonkraftwerke plus Dunkelziffer in Deutschland registriert. Auch wenn Klima nicht mehr das wichtigste Anliegen ist, wünschten sich in einer UN-Umfrage weltweit 80% mehr Klimaschutz von ihren Regierungen. Das wird schon häufig umgesetzt, denn bis Ende 2024 wurden ungefähr 56.500 Klimaschutzprojekte, z.B. in Kommunen gefördert und erfolgreich umgesetzt. Wir sind auf dem richtigen Weg und die Forschung findet immer wieder neue Lösungsansätze, um das Klima zu retten.
Hoffnung zu haben ist also sehr berechtigt und wichtig. Hoffnung ist der zentrale Faktor dafür, dass wir Sinn im Leben empfinden und trägt maßgeblich zu unserem Wohlbefinden bei. Das hat eine Studie der American Psychological Association gezeigt. Aber immer hoffnungsvoll zu sein ist leichter gesagt als getan. Wie schafft man, die Hoffnung nicht in der Flut der schlechten Nachrichten zu verlieren, die uns jeden Tag erreicht? Genau darüber spricht Jaqueline Klingen in einer Folge des Podcasts Zukunftswissen vom Wuppertal Institut. Jaqueline ist Researcherin im Forschungsbereich Energiewende International und erzählt, dass es zwar anstrengend ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, dass ihre Hoffnungslosigkeit aber schon verschwindet, während sie sich mit der Krise beschäftigt. Klare Fakten helfen ihr, optimistisch zu bleiben und vor allem der Austausch mit Gleichgesinnten macht ihr Mut. Dann werden viele einzelne Hoffnungen zu einer kollektiven Hoffnung, die besonders wirkungsvoll ist. Wenn viele Menschen mit einem gemeinsamen Ziel ihre Energie bündeln, können sie viel bewegen. So entstehen zum Beispiel NGOs oder Vereine und mit ihnen neue Möglichkeiten, zu handeln.

Trotzdem kann jede Hoffnung einen überschrittenen Kipppunkt nicht rückgängig machen. Jaqueline stellt fest: Es ist nicht das Ende der Welt, wenn ein Kipppunkt überschritten wird. Der erste Kipppunkt ist schon erreicht: Bei 1,2 Grad Erderwärmung droht das unaufhaltsame Absterben der tropischen Korallenriffe, die einen wichtigen Lebensraum für eine Million Meeresarten bildet. Natürlich ist das dramatisch, trotzdem müssen wir für alle weiteren Kipppunkte kämpfen. „Die Frage ist, wie weit drüber kommen wir noch? Auf jede Nachkommastelle kommt es an und auch wann wir welche Punkte erreichen“, erklärt Jaqueline. Umso schneller wir eine höhere Erwärmung erreichen, umso schlechter können wir uns darauf vorbereiten. Wenn wir aber einen geplanten und möglichst geringen Overshoot nach 2045 haben, können wir viel besser mithilfe von ausgereiften Strategien und Klimaanpassungsmaßnahmen damit umgehen. Selbst für die Korallenriffe gibt es vielleicht noch Hoffnung. Vor Westaustralien haben Forschende Korallen entdeckt, die extrem hitzebeständig sind.
Klimaziele sind vor allem zur Orientierung da, um dann geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Selbst wenn Ziele verfehlt werden, gab es einen Fortschritt. Und jeder Schritt in die richtige Richtung ist ein guter. Wichtig ist, nicht auszublenden, was schlecht läuft und zu handeln, um der Klimakrise entgegenzuwirken. Ein realistischer Blick auf die gesamte Entwicklung hilft, Mut und Hoffnung zu erhalten und die Kraft aufzubringen, wirklich etwas zu verändern.
Es scheint oft, als könne eine einzelne Person nicht viel verändern, aber individuelle Konsumentscheidungen machen viel aus: Eine vegan lebende Person spart 40 Prozent CO₂-Emissionen ein – pro Jahr sind das 610 Kilogramm weniger CO₂ im Vergleich zu jemandem, der auch tierische Produkte konsumiert. Außerdem werden die Ressourcen für den Anbau von Soja als Futtermittel eingespart. Durch eine pflanzliche Ernährung könnte die Anbaufläche von Soja bis zu 92 Prozent reduziert werden. „Eine vegane Ernährung ist der wahrscheinlich größte Hebel, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern“, sagt Ökologe Joseph Poore von der Universität Oxford. Neben der Ernährung gibt es natürlich noch weitere zahlreiche Möglichkeiten, nachhaltig zu leben. Und viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.
Eine optimistische Sicht auf die Welt hilft, gut durch Krisen zu kommen. Dankbarkeit für die großen und kleinen Dinge im Leben kann dabei helfen, diesen Optimismus zu leben. Wem das schwerfällt, kann es ganz einfach üben: Jeden Tag ein paar Dinge aufzuschreiben, für die man dankbar ist, hilft dabei, den Blick für das Gute im Leben zu schärfen. Und um langfristig nicht den Mut zu verlieren, helfen regelmäßige gute Nachrichten. Auf Social Media gibt es einige Accounts, die sich der Aufgabe widmen, die guten Entwicklungen in der Welt zu sammeln. Ein paar positive Nachrichten im täglichen Feed können großes Bewirken, deshalb gibt es hier eine Liste mit Vorschlägen von Instagram-Accounts, die hoffnungsvoll machen:
@goodnews.eu – nur gute Nachrichten über verschiedene Themen
@germanwatch – jeden Montag eine ‚Monday Motivation’ mit guten Nachrichten über das Klima
@goodnewsmagazin – nur gute Nachrichten über verschiedene Themen
@wwf_deutschland – gute und schlechte Nachrichten, Fun Facts und Memes über das Klima
und die Website www.wwf.at/goodnews





