In einer Zeit voller Krisen jung zu sein, bedeutet vor einer unsicheren Zukunft zu stehen. Wir haben am Campus der Uni Passau nachgefragt, was euch am meisten Angst macht. Den drei größten Ängsten widmen wir in der Reihe „Generation Zukunftsangst“ je einen Artikel, um dem ein bisschen Mut entgegenzusetzen.
Gesucht: Kreativer Kopf (m/w/d) für abwechslungsreiche Projekte in einem inspirierenden Team. Voraussetzungen: Leidenschaft für Ideen, Freude am Gestalten und die Bereitschaft, die Welt ein kleines Stück interessanter zu machen. Geboten werden faire Bezahlung, berufliche Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten, Wertschätzung und eine gesunde Work-Life-Balance. Berufserfahrung nicht zwingend erforderlich. Bewerbungen bitte an: Zukunft@ungewiss.de.
So ähnlich könnte die Stellenanzeige für den Traumjob vieler Studierender aussehen. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft für viele Studierende eine immer größere Lücke. Je näher der Berufseinstieg rückt, desto häufiger stellt sich die Frage: Gibt es diesen Traumjob überhaupt noch?
Zukunft mit Fragezeichen
Laut der Bundesagentur für Arbeit stieg die Arbeitslosenquote bei Akademiker:innen im Jahr 2025 um 16 Prozent und damit stärker als die allgemeine Arbeitslosenquote. Steigende Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt, wirtschaftliche Krisen und der rasante technologische Wandel werfen somit Fragen auf: Welche Berufe haben Zukunft? Reicht ein Hochschulabschluss noch aus? Und wie realistisch ist es, den eigenen Traumjob zu finden?
Ein halbes Berufsleben als Voraussetzung?
„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt“. Trifft dieses Zitat von Joachim Ringelnatz auch auf das Thema Jobsuche und Bewerbungen zu? Zumindest, wenn man auf Social Media scrollt. Sowohl Tiktok als auch Instagram bieten eine ganze Palette an Videos, die Bewerbungssituationen satirisch auseinandernehmen: Man sitzt im Bewerbungsgespräch, erfüllt alle geforderten Qualifikationen, kann vielleicht sogar besonderes ehrenamtliches Engagement vorweisen und möchte den Job wirklich haben. Doch dann scheitert es an der mangelnden Berufserfahrung – weil man studiert hat. Trotz Überspitzung steckt in solchen Videos ein Funken Wahrheit: eine gute Qualifikation und Engagement sind keine Garantien für einen Arbeitsplatz. Ein Studium genießt in unserer Gesellschaft nach wie vor einen hohen Stellenwert. Dennoch verlangen immer mehr Stellenausschreibungen sowohl einen Hochschulabschluss als auch praktische Erfahrung. Fairerweise muss man sagen: Oft reichen mehrere Praktika aus, eine Vollzeitstelle wird nicht zwingend erwartet. Doch auch das ist neben dem Studium nicht leicht zu bewältigen. Ein Praxissemester ist dabei Gold wert. Wer keines in seinem Studiengang integriert hat, muss versuchen, zwischen Vorlesungen, Hausarbeiten, Klausuren und Nebenjobs auch noch Praktika unterzubringen. Da stellt sich für viele zu Recht die Frage: Wie soll ich in meinem Alter gleichzeitig ein abgeschlossenes Studium und umfangreiche Berufserfahrung vorweisen? Und wenn selbst der Einstiegsjob bereits Erfahrung voraussetzt – wo soll ich diese überhaupt sammeln?
Freundlich ist anders?
Im Bewerbungsprozess taucht inzwischen ein Phänomen auf, das viele eher aus Dating-Apps kennen: Ghosting. Gemeint ist das plötzliche Schweigen von Unternehmen nach einer Bewerbung oder sogar nach mehreren Gesprächsrunden. Keine Rückmeldung, keine Absage, manchmal nicht einmal eine Eingangsbestätigung. Die Kommunikation bricht einfach ab. Für Bewerber:innen bedeutet das vor allem Unsicherheit: Habe ich noch eine Chance oder ist der Prozess längst beendet? Besonders frustrierend wird es, wenn zuvor noch Interesse signalisiert wurde. Während Unternehmen oft von hoher Arbeitsbelastung oder internen Abstimmungen sprechen, bleibt auf der anderen Seite das Gefühl zurück, austauschbar zu sein. Ghosting ist damit mehr als nur schlechte Kommunikation. Es sagt auch etwas über die Dynamik auf einem angespannten Arbeitsmarkt aus.
Ersetzt durch KI?
Künstliche Intelligenz verändert zunehmend, wie Arbeit entsteht, organisiert und bewertet wird. Eine Recherche der ZEIT zeigt dabei, dass KI längst kein Zukunftsthema mehr ist, sondern in vielen Bereichen bereits fest im Arbeitsalltag verankert ist. Allerdings weniger als plötzlicher Umbruch, sondern eher als schleichende Verschiebung von Aufgaben. Besonders betroffen sind dabei Branchen, in denen viel mit Texten, Daten oder standardisierten Abläufen gearbeitet wird: etwa in der Softwareentwicklung, in der Kreativbranche oder auch im Bürobereich. Genau dort kann KI Teile der Arbeit bereits heute übernehmen oder stark beschleunigen, was die Anforderungen an Beschäftigte verändert. Statt reiner Ausführung rückt zunehmend die Rolle der Kontrolle, Einordnung und kreativen Weiterentwicklung in den Vordergrund. Gleichzeitig entsteht ein hybrides Arbeiten, in dem Menschen und KI eng zusammenwirken. Das Ergebnis: nicht unbedingt ganze Berufe verschwinden, aber viele Tätigkeiten innerhalb dieser Berufe werden neu verteilt. Dadurch entsteht eine neue Unsicherheit. Was man im Studium oder in der Ausbildung erlernt hat und später beruflich ausführen möchte, entspricht möglicherweise nicht mehr der Realität im Joballtag oder wird in dieser Form gar nicht mehr gebraucht. Parallel dazu kann die zunehmende Automatisierung auch dazu führen, dass die Zahl klassischer Einstiegsstellen sinkt und der Zugang in viele Berufsfelder dadurch noch anspruchsvoller wird. KI kann aber auch positive Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben, wenn sie mit Bedacht eingesetzt wird. Routineaufgaben lassen sich automatisieren, sodass Beschäftigte mehr Zeit für kreative, strategische oder zwischenmenschliche Tätigkeiten haben. KI kann zudem Fehler reduzieren und die Produktivität steigern. Darüber hinaus unterstützt sie bei der Analyse großer Datenmengen und erleichtert fundierte Entscheidungen. Statt KI nur als Konkurrenz wahrzunehmen, sollte sie auch als unterstützendes Instrument verstanden werden, das Menschen bei ihrer Arbeit ergänzt und neue Möglichkeiten eröffnet.
Jammern von Privilegierten?
Es sei „kein Drama“, neben dem Studium zu jobben, da Studierende ohnehin „privilegiert“ seien. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) erteilte mit diesen Worten einer BAföG-Erhöhung im Bundestag eine Absage und verwies auf notwendige Sparzwänge. In einem Punkt lässt sich ihr zustimmen: Es ist ein Privileg, dass grundsätzlich jeder mit Hochschulzugangsberechtigung studieren kann und dass auch ohne Abitur Wege in ein Studium möglich sind. Doch das rechtfertigt nicht, staatliche Unterstützung für Studierende weiter auszuhöhlen. Laut dem Bericht Bildung in Deutschland 2026 hängt immer noch der eigene Bildungsweg stark von der sozialen Herkunft ab. Eine Förderung wie BAföG kann dazu beitragen, dass auch Menschen ohne akademisches Elternhaus ein Studium aufnehmen und erfolgreich absolvieren können. Doch die Debatte um BAföG greift zu kurz, wenn sie nur den Weg ins Studium betrachtet. Viele Berufe, für die früher eine Ausbildung ausreichte, setzen heute einen Hochschulabschluss voraus, ohne dass der Einstieg dadurch automatisch leichter wird. So endet die Frage nach sozialer Unterstützung nicht beim Studium, sondern setzt sich in der Unsicherheit des Berufseinstiegs fort.
Die Arbeitswelt im Umbruch
Wichtig bleibt dabei: Nicht alle Unternehmen handeln gleich. Viele geben auch Rückmeldungen und investieren bewusst in Berufseinsteiger:innen. Wer feststellt, dass der gewählte Beruf nicht den eigenen Erwartungen oder Interessen entspricht, kann sich durch Weiterbildungen, Umschulungen oder einen Berufswechsel neu orientieren. Trotz erschreckender Ansteigung bleibt die Arbeitslosenquote bei Akademiker:innen niedriger als bei anderen Bevölkerungsschichten. Gleichzeitig bringt der technologische Wandel auch neue Karrierewege und zukunftsorientierte Berufsfelder hervor.
Ja, die Arbeitswelt hat sich für alle verändert, nicht nur für Studierende. Ja, wir Studierende sind in manchen Punkten privilegiert. Aber das rechtfertigt nicht, unsere Sorgen nicht ernst zu nehmen. Natürlich gab es immer und wird es auch immer Generationenkonflikte geben. Doch dieses ständige „Jung gegen Alt“ in jeder politischen Debatte muss aufhören. Die verschiedenen Generationen müssen einander mit Respekt begegnen. Nur so kann unsere Gesellschaft wieder stärker zusammenrücken. Vielleicht ist genau das ein Schritt, der vielen einen Platz in der Arbeitswelt ein Stück näherbringen kann.
Dieser Artikel bildet den Abschluss der Reihe „Generation Zukunftsangst“. Im Mittelpunkt standen Klimakrise, gesellschaftlicher Rechtsruck und Berufseinstieg. So unterschiedlich und bedrückend die Themen doch sind, am Ende bleibt doch Hoffnung, weil wir mit unseren Ängsten nie alleine sind.


