„Nur eins ist besser als eine Tasse guter Kaffee: zwei Tassen guter Kaffee.“ (Detlev Fleischhammel, deutscher Theologe)

Klar, die meisten Studenten würden dieser Behauptung vermutlich zustimmen. Man kennt es ja schließlich selbst gut genug: Die nächste Klausurenphase lässt nie lange auf sich warten, nächtliche Streifzüge durch das Passauer Nachtleben will man auch nicht auslassen und die Uni wartet am nächsten Tag dann trotzdem noch auf einen.

Die Lösung für den Schlafentzug?

Logisch, ein schneller Besuch in der Cafete und die erste Tasse Kaffee des Tages wird gekippt. Dann setzen wir uns mit dunklen Schatten unter den Augen wieder zurück in die Bibliothek und zwei bis drei Stunden später folgt die nächste Dosis; ohne geht’s halt auch nicht. (Der Vergleich mit einem kläglich leidendem Faultier ist an dieser Stelle vermutlich nicht ganz unpassend.)

Aber gut, wir müssen dem Klischee des immer müden Studenten, der sich gerade noch von seinem letzten Rausch erholt und vor 11 Uhr wohl kaum aufstehen kann, doch auch irgendwie gerecht werden.

Doch jetzt die eigentliche Frage:

Wie gesund ist das eigentlich, seine Seele auf täglicher Basis an den Koffein zu verkaufen?

Fakt ist: In Deutschland trinkt im Durchschnitt jede Person ca. einen halben Liter Kaffee am Tag – eine beachtliche Menge. Wie wirkt sich das auf unseren Körper aus?

Etwa 15 bis 30 min dauert es, bis der Koffein in unseren Blutkreislauf gelangt und schließlich in unserem Gehirn ankommt. Dort wirkt er als Wachmacher, indem er ein Molekül blockt, das uns müde macht: Adenosin. So wird verhindert, dass unser Körper Müdigkeitssignale aussendet. Wie lange dieser Effekt anhält, ist abhängig von Alter, Körpergewicht, dem allgemeinen Gesundheitszustand und sogar der genetischen Veranlagung einer Person. Im Durchschnitt beträgt die Halbwertzeit aber etwa 4 Stunden.

Kaffee stimuliert zusätzlich auch unser zentrales Nervensystem: Koffein verengt unsere Blutgefäße und regt die Sauerstoffversorgung der Zellen an, das hat zur Folge, dass wir uns besser konzentrieren können und uns fitter fühlen.

Klingt soweit doch alles wunderbar – oder nicht?

Ganz so einwandfrei können wir unseren geliebten Kaffee leider doch nicht davon kommen lassen.

Wer zum Beispiel unter zu hohem Blutdruck leidet, sollte von der heiß ersehnten Tasse Kaffee am Morgen eher Abstand halten, oder seinen Konsum zumindest einschränken. Außerdem wird Kaffee immer wieder in Zusammenhang mit erhöhtem Cholesterin, Herzerkrankungen und Osteoporose (Knochenschwund) gesetzt. Auch für unser Verdauungssystem ist Koffein leider nicht so bekömmlich, so reizt die Säure im Kaffee deinen Magen und die Innenwand des Dünndarms.

So, damit hier aber jetzt kein allgemeiner Unmut ausbricht (niemand mag es, wenn über wichtige oder sogar geliebte Dinge schlecht gesprochen wird), setzen wir hier den Schlussstrich.

Wer Kaffee nicht in übermäßigen Dosen genießt, steht laut Studien auf der sicheren Seite und hat nichts zu befürchten. Ratsam ist es dabei, die Menge von bis zu 5 Tassen am Tag nicht zu überschreiten, vorausgesetzt natürlich man nimmt keine Medikamente oder Drogen.

So, nachdem das grundsätzlich mal geklärt wurde, widmen wir uns jetzt ein paar Mythen und Gerüchten, die wir sicherlich alle schon einmal gehört haben:

Nummer Eins: „Kaffeetrinker leben länger!“

Eine schöne Vorstellung, nur leider ist das ein Fall von falscher Korrelation. Bisher ist trotzt vieler Studien nämlich unklar, ob Kaffee wirklich zu einem längeren Leben verhilft.

Nummer Zwei: „Kaffee erhöht das Krebsrisiko.“

Jahrelang hatte Kaffee mit dem schlechten Ruf zu kämpfen, dass er aufgrund des Inhaltsstoffes Acrylamid Krebs errege. Heute steht aber fest: Das ist falsch!

Internationale Krebsforscher haben nach neuen Studien Entwarnung gegeben, allerdings mit einer Ausnahme: Trinkt man Kaffee (und auch andere Heißgetränke) von einer Temperatur von 65 Grad Celsius oder mehr, so soll dies die Bildung von Speiseröhrenkrebs begünstigen.

Ansonsten sei der Konsum vollkommen unbedenklich. (Für detailliertere Infos einfach mal bei diesem Artikel vorbeischauen.)

Nummer Drei: „Kaffee hilft beim Abnehmen.“

Pro: Kaffee erwärmt den Körper, dadurch wird mehr Energie verbrannt und es werden folglich auch mehr Kalorien verbraucht.

Contra: Da sich unser Körper an den Koffein-Konsum gewöhnt, verliert dieses Phänomen leider schnell wieder seine Wirkung.

Also: Die neue Wunderwaffe zum Abnehmen wird Kaffee wohl nicht mehr werden, aber es ist trotzdem tröstend, es sich bei seiner siebten Tasse am Tag einzureden.

Nummer Vier: „Kaffee entzieht dem Körper Flüssigkeit“

Ich weiß, jeder hasst Spoiler. Franz Kafka macht es trotzdem:

„Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub.“ 

Aber ganz so pauschal lassen wir das nicht stehen, denn zumindest dieser Teil stimmt: Kaffee fördert kurzzeitig den Harndrang. Bei regelmäßigem Kaffee-Genuss gewöhnt sich der Körper jedoch an die Zufuhr und der Effekt verliert – mal wieder – seine Wirkung. Deshalb kann Kaffee auch wie andere Getränke getrost zur Flüssigkeitsbilanz hinzugezählt werden.

Bevor mancher jetzt auf die Idee kommen mag, Wasser mit Kaffee zu ersetzen: Als Durstlöscher fungiert er dennoch nicht, und ich warne vor Kopfschmerzen, Herzrasen und Schweißausbrüchen. (Eventuell spreche ich an dieser Stelle aus eigener Erfahrung.)

Schlusswort: Kaffee ist unser Freund!

Das ist zumindest die These, der ich mich am meisten verbunden fühle. Gerade als tugendreicher Student, der seinen Uni-Pflichten nachgeht und jeden Morgen fleißig um acht in der Bibliothek sitzt, dem sollte seine wohltuende Tasse nicht vergönnt sein.

Und für alle anderen restlichen 98% der Studenten – zu denen im Übrigen auch ich gehöre -, die nach dem Feiern einfach was gegen ihren Kater brauchen, um halbwegs auf den Beinen stehen zu können: Auch euch soll der geheiligte Koffein dienen.

Wer trotzdem versuchen will, seiner Sucht zum Wachmacher ein Ende zu setzen, der sollte es mal mit anderen gesunden Alternativen versuchen: Guarana, Mate und Matcha-Tee bieten sich beispielsweise an, der gute alte Schwarztee vom Oma tut’s aber auch.

Mit diesen Worten:

„Drei Kaffee, schwarz bitte!“

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