Türchen 20: Warum „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ein Weihnachtsklassiker ist

Es gibt viele schöne Weihnachtsfilme, die mittlerweile aus der Weihnachtszeit kaum mehr wegzudenken sind. Jedes Jahr laufen die gleichen Klassiker im Fernsehen rauf und runter. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist einer dieser Filme, der dieses Jahr 19 Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird, damit kein Fan ihn verpassen kann.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist ein Film, den bestimmt jeder schon mindestens einmal in seinem Leben gesehen hat. Für diejenigen, die das irgendwie versäumt haben oder sich nicht mehr erinnern können, hier der Inhalt in Kürze:

Die deutsch-tschechische Koproduktion auf dem Jahre 1973 ist eine Neuverfilmung des berühmten Märchens „Aschenputtel“ von den Gebrüdern Grimm. Das namensgebende Aschenbrödel wird von ihrer Stiefmutter und ihrer Stiefschwester misshandelt, ist aber so talentiert im Reiten und Schießen, dass sie sogar den Prinzen und seine Begleiter übertrumpft. Als sie von einem Knecht drei Nüsse geschenkt bekommt, findet sie heraus, dass diese verzaubert sind. Jede Nuss schenkt ihr ein Gewand, mit dem sie dem Prinzen in verschiedenen Rollen begegnet: eine Jägerkluft, ein Prinzessinnenkleid und zuletzt ein Brautkleid.

Ich muss gestehen, ich bin kein sonderlich großer Fan von Weihnachtsfilmen. Die meisten sind mir zu schnulzig und vorhersehbar. Und eigentlich ist das auch bei „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ der Fall. Die Handlung ist nichts Neues, so hat jeder als Kind die Geschichte vom Aschenputtel beziehungsweise Cinderella vorgelesen bekommen. Und trotzdem gehört dieser Film zur Weihnachtszeit wie Plätzchen und Glühwein.

Allerdings ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ kein reiner Abklatsch der Originalvorlage der Gebrüder Grimm. Die Geschichte von Aschenputtel wurde nämlich zwischen 1842 und 1845  von der Tschechin Bozena Nemcová so umgeschrieben, dass das Aschenbrödel als eine emanzipierte, eigenwillige und manchmal etwas freche Frau dargestellt wird, was vor allem zur damaligen Zeit sehr ungewöhnlich und nicht gerne gesehen war. Diese fortschrittliche Version des Aschenputtels bekommen wir auch im Weihnachtsklassiker präsentiert, denn das Aschenbrödel scheut sich nicht, den Prinzen und seine Freunde aufzuziehen.

Aschenbrödel, prinz, pferd, brautkleid
Quelle: Netflix

Aber warum kommt dieser Film gerade in der Weihnachtszeit so gut an? Die Geschichte zeigt keine wirkliche Verbindung zu Weihnachten auf. Das einzig Weihnachtliche an dem Film ist, dass Schnee liegt und somit die Handlung im Winter stattfindet. Dadurch kommt direkt Weihnachtsstimmung auf, denn wer wünscht sich nicht weiße Weihnachten?

Tatsächlich war es eher Zufall, dass „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zur Winterzeit gedreht wurde. Ursprünglich war geplant, dass die Handlung im Frühling spielt. Allerdings war das beteiligte deutsche Filmunternehmen, die Deutsche Film AG (kurz DEFA), im Sommer zu ausgelastet und bat darum, die Dreharbeiten auf den Winter zu verlegen. Einziges Problem: Im Winter 1972/73 fiel kaum Schnee, weswegen für den Dreh auf Kunstschnee zurückgegriffen werden musste. Der wurde zu der damaligen Zeit zum großen Teil aus Fischmehl hergestellt. Man kann sich vorstellen, wie die Geruchskulisse dementsprechend am Set gewesen sein muss.

Der Film hatte in der DDR Kinopremiere im März 1974 und in Westdeutschland am 19. Dezember 1974. Das erste Mal im westdeutschen Fernsehen wurde „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ am 26. Dezember 1975 ausgestrahlt. Die Erstausstrahlung hat wohl auch dazu beigetragen, dass dieser Film vor allem in der Weihnachtszeit so große Beliebtheit erlangt hat.

So simpel und bekannt die Handlung auch ist, so ergreifend ist sie trotzdem: Wenn das „hässliche Entlein“ die wahre Liebe findet und sich von ihrer bösen Stiefmutter losreißen kann, lässt das niemanden kalt. Besonders zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, erreichen uns solche berührenden Geschichten in Märchenform.

Dass „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder „Tri oríšky pro Popelku“, wie es im tschechischen Original heißt, so ein beliebter Weihnachtsklassiker geworden ist, ist tatsächlich eher zufällig passiert. Wäre die DEFA nämlich in den warmen Monaten nicht schon so ausgelastet gewesen mit anderen Filmprojekten, wer weiß, was dann geschehen wäre. Ich bin aber froh, dass es so gekommen ist und dass meine Mutter und ich uns mindestens einmal in der Weihnachtszeit vor den Fernseher kuscheln und uns diesen Film zusammen anschauen.

Damit auch du „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ dieses Jahr nicht verpasst, haben wir hier für dich eine Übersicht, wann der Film auf welchem Sender zu sehen ist. Oder du schaust ihn dir einfach auf Netflix zu der Zeit an, die für dich passt.

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In diesem Sinne, viel Spaß beim Schauen und eine schöne restliche Weihnachtszeit!