Das Donaulied polarisiert momentan viele verschiedene Meinungen. Doch wo fängt Frauenfeindlichkeit an und wo hört Kultur auf? Ist es zur heutigen Zeit noch vertretbar, das Donaulied im Bierzelt zu grölen oder muss eine Veränderung her? Debora Schießl, eine der Autorinnen zur Petition gegen das Donaulied, sieht sich den Text des Lieds genauer an:

 

„Einst ging ich am Ufer der Donau entlang,
ein schlafendes Mädchen am Ufer ich fand“

Begeisterung im Festzelt, die Band stimmt an zum Publikumsfavoriten. Der Refrain des Donauliedes ist eingängig und kommt zeitweise ganz ohne Text aus: „Oh oh olalala“. Viel Hirnschmalz erfordert das nicht und verlangt von den Schunkelnden nur ein halbmotiviertes Lallen – das funktioniert auch nach zwei Maß. Vermutlich ist das Donaulied deshalb auf der Dult ein Dauerbrenner. Dass der Strophentext aber die Vergewaltigung eines Mädchens besingt, und das nicht nur zwischen den Zeilen, sondern erschreckend explizit, wird wohl nicht bemerkt. Man könnte meinen, dass sonst sicher niemand mitsingen würde.

„Sie hatte die Beine weit von sich gestreckt
Ihr schneeweißer Busen war halb nur bedeckt“

Textsicherheit braucht es nicht für die kollektive Gaudi. Dem wachsenden Alkoholanteil im Blut ist geschuldet, dass sich das Publikum ohnehin auf die lautmalerischen Elemente im Donaulied beschränkt. Oh oh olalala, und was der Sänger dazwischen erzählt, wollen die Anwesenden sowieso nicht genau wissen. Die Band hat ja auch – ganz neumodern – Turnschuhe zur Tracht kombiniert, da kann man bestimmt eine aufgeklärte Attitüde erwarten. Verherrlichung sexueller Gewalt und Sexismus? Wo denn? Es stehen schließlich auch Frauen auf den Bänken und schwingen die Maßkrüge.

„Ich machte mich über die Schlafende her
Man hörte das Rauschen der Donau nicht mehr“

Eine Passauerin hat einmal genau hingehört. Ihre Empörung war Beweggrund für eine Petition gegen das Donaulied, die in einem Monat über 30.000 Zustimmende fand. In Passau war sie der Anlass zu einer hitzigen Debatte. Dabei möchte die Initiatorin kein Verbot, sondern hofft auf freiwilligen Verzicht. Eine Gegenpetition wurde trotzdem aus dem Boden gestampft und erhält seither ebenfalls Zuspruch. Nicht nur die Akzeptanz, sondern insbesondere die leidenschaftliche Verteidigung dieses Liedes als Teil bayerischer Kultur zeigt, dass Sexismus und sexuelle Gewalt noch immer gesellschaftskonform sind.

„Du schamloser Bursche was hast du vollbracht
Du hast mich im Schlafe zur Mutter gemacht“

Wer nach Argumenten sucht, um dieses Lied als Festkultur zu konservieren, beteiligt sich an einem Muster, das sexuelle Gewalt zwar nicht salon-, aber bierzeltfähig macht. Der Anklang der Gegenpetition zeigt, dass die Ablehnung sexistischer Inhalte längst nicht Mainstream ist. „Wir haben es aber schon immer gesungen!“ oder „Nur weil es jetzt ein paar Leute stört?“ heißt es in den Kommentaren der Gegenseite. Das Donaulied wird verteidigt mit dem Erhalt vermeintlicher Tradition und einer Mehrheitslogik, gegen die eine Minderheit nicht ankommen dürfe – sind ja sowieso „alles Preußen und Zuagroaste“. Eine Man-darf-ja-wohl-noch-singen-dürfen-Rhetorik dominiert den Diskurs.

„Jetzt hab ich 12 Kinder und doch keinen Mann
Was fang ich denn nur mit dem 13. an“

Wenn die offensichtliche Verharmlosung sexueller Gewalt mit dem Wunsch einer gedankenlosen Gaudi aufgewogen wird, werden die Argumente der Gegenseite inhaltsleer. Eine Gesellschaft darf selbst entscheiden, welche Traditionen erhalten oder begraben werden (müssen). Das Donaulied soll dabei nicht verboten werden. Wer aber wissentlich den Text singt, Vergewaltigung feiert und dann fragt, weshalb ein Aufschrei durch Bayerns Bierzelte schallt, hat eigentlich keine Antwort mehr verdient.

Du saublöde Schlampe was denkst du von mir
Ich trage doch immer den Gummi bei mir

Das Donaulied besitzt viele Gesichter und manche Versionen besingen eine verharmloste Szene. Doch das Einfügen einer Liedzeile, in der das Mädchen aufwacht und sich beglückt in den Liebesakt fügt, ist nur ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde. Sexistische Strukturen sind hartnäckig, die Abkehr vom Donaulied wäre ein erster Schritt. Und dieses Problem lässt sich erfrischend einfach lösen – denn ein bewusster Verzicht erfordert kaum mehr als aktives Nichts-Tun.

„Ich steh auf der Brücke und wink mit dem Hut
Hier hast du nen Heller der Fick der war gut“

Zurück im Festzelt und mitten im bierfeuchten Treiben, lässt die kollektive Begeisterung auf einmal nach. Bevor die Band die letzten Strophen des Donauliedes spielen kann, setzen sich die Gäste zurück auf ihre Bänke. Verschränkte Arme sind zu sehen, einige schütteln den Kopf. Das Publikum zieht sich auf den Boden der Tatsachen zurück, bis das Lied endlich vorbei ist.

„Und die Moral von der Geschicht
Schlafende Mädchen, die vögelt man nicht“

 

Nun stellt sich uns allen die Frage, ist etwas richtig, nur weil es schon immer so war? Muss sich nicht auch „Kulturgut“ im Laufe der Zeit weiterentwickeln? Somit sind jetzt eure Meinungen gefragt. Gebt uns Bescheid wie ihr zu der Debatte um das Donaulied steht und ob ihr eine Veränderung für notwendig erachtet.
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Den ganzen Liedtext zum Donaulied findet ihr hier.

 

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