Die Welt steht Kopf. Es fühlt sich so an, als wäre auf einmal alles anders und nichts mehr ganz normal. Wie wäre es dann mit einem kleinen Ausflug? In Welten, die sowieso nicht ganz normal sind, es aber auch nicht sein sollen. Bücher können gerade jetzt das Gefühl vermitteln, große Abenteuer zu erleben, die in der Realität verwehrt bleiben. Dabei begibt sich der Leser oftmals in fremde Welten, in denen Chaos, Magie und Übernatürliches an der Tagesordnung stehen. Blank online stellt Euch heute fünf Bücher vor, die Euch in solche Welten mitnehmen. Von Fantasy-Reihe über Märchen-Roman bis hin zur royalen Romanze ist hoffentlich für jeden etwas dabei. Tagträumen ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

 

The Night Circus – Erin Morgenstern 
(dt.: Der Nachtzirkus)


Der Zirkus öffnet nur nachts. Er zieht seine Besucher magisch an, mit Kuriositäten, Magie, Zelten, die einem unwirklich erscheinen.Er zieht von Stadt zu Stadt, kommt überraschend. Inmitten des Zirkustreibens steht der Wettbewerb zweier verfeindeter Magier. Sie tragen jedoch ihren Kampf nicht persönlich aus.Von Kindheit an werden Celia und Marco darauf hin trainiert, den Wettbewerb zu gewinnen. Wie dieser aussieht, wann er stattfindet und was ihre eigentliche Aufgabe ist, wissen sie nicht. Sie können nur erahnen dass der „Cirque des Rêves“ etwas damit zu tun hat.

Es ist schwierig, den Nachtzirkus zu beschreiben. Und genau das macht das Buch so besonders. Eigentlich spielt „Der Nachtzirkus“ in unserer realen Welt, jedoch ist der Zirkus an sich so fantastisch, dass er dem Leser innerhalb des Buches einen ganz eigenen, geradezu unwirklichen Ort eröffnet. Es gibt eine Liebesgeschichte, die auch im Lauf der Handlung an Wichtigkeit gewinnt. Aber im Vordergrund bleibt stets der Zirkus und das, was sich darin abspielt. Über knapp  460 Seiten hinweg rätselt man als Leser, was es mit diesem ominösen Wettbewerb auf sich hat und in welcher Verbindung er zum Zirkus steht. Die Charaktere die man dabei kennenlernt, scheinen sie noch so unbedeutend, sind jeder für sich einzigartig und bis ins Detail ausgearbeitet. „Der Nachtzirkus“ ist ein großes Buch und eines, das man nicht nach zwei Tagen fertig gelesen haben wird. Der Stil von Erin Morgenstern ist sehr langsam und detailreich, die Geschichte entwickelt sich nach und nach. Aber wer sich darauf einlässt, wird eine Geschichte entdecken, die einen einsaugt und nie wieder richtig loslässt.

 

Selection – Kiera Cass
Trilogie (+ ein zweiteilige Spin-Off und zwei „Selection Storys“)


Prinz Maxon, Thronfolger des Königreichs Illeá, ist auf der Suche nach einer Frau. Diese soll er im Rahmen eines Wettbewerbs finden, bei dem 35 junge Frauen aus dem ganzen Königreich im Palast zusammenkommen und von ihm genau unter die Lupe genommen werden. Eine der Frauen ist America Singer, die vor allem deswegen teilnimmt, weil sie ihrer Familie ein besseres Leben ermöglichen will. Ihr Herz schlägt währenddessen eigentlich noch immer für ihre erste große Liebe Aspen. Der Wettbewerb wird im ganzen Land übertragen und soll die Bevölkerung unterhalten. Die Entscheidung liegt dabei scheinbar in der Hand des Prinzen. Jedoch hat dessen Vater sehr genaue Vorstellungen von der zukünftigen Königin von Illeá.

Die Kurzbeschreibung der Selection-Reihe hört sich im ersten Moment an wie „Der Bachelor“ mit royalem Twist. Sicherlich gehört die Reihe auch nicht zu den tiefgründigsten Werken der Literaturgeschichte. Es ist ein klassisches Prinzip, das den Leser in den Bann zieht. Ein Kampf unter Frauen um einen Mann. Dabei sind einige privilegierter als andere, einige sind wegen der Liebe dort, andere wegen der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Hauptperson America steckt mittendrin und hat mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Es ist klassisch, aber wirksam: die Selection-Reihe macht süchtig. Man darf nicht zu viel erwarten. Es werden zwar gesellschafts-kritische Aspekte angedeutet – im Königreich gibt es Kasten, in die die Bevölkerung eingestuft wird – und im Lauf der Trilogie kommen politische Themen mit ins Spiel, aber im Herzen gibt die Reihe dem Leser ganz einfach eine wunderbare Liebesgeschichte. Natürlich bietet die Dreiecksbeziehung genügend Diskussionsstoff, um mit einer Freundin bei einem Glas Wein ein komplettes Skype-Gespräch zu füllen. Alles in allem also der perfekte Lesestoff zum einfach mal nicht Nachdenken und Dauergrinsen.

 

Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children – Ransom Riggs
(dt.: Die Insel der besonderen Kinder)
Trilogie (Gerade erweitert der Autor die Trilogie zu einer Reihe mit weiteren drei Büchern, von denen zwei bereits erschienen sind. Jedoch erfasst die erste Trilogie eine abgeschlossene Handlung, die auch für sich allein gelesen werden kann, und um diese soll es hier gehen)



Als Jacob den sowohl tragischen als auch mysteriösen Tod seines Großvaters miterlebt, stellen sich ihm einige Fragen. Schon lange hat er versucht, seinen Großvater und dessen Vergangenheit, von der er die seltsamsten Geschichten erzählt, zu durchschauen. Jacob macht sich auf den Weg, um diese Geschichten zu verstehen. Seine Nachforschungen führen ihn auf eine Insel, auf der er auf ein scheinbar verlassenes Waisenhaus stößt. Doch tatsächlich leben in Miss Peregrines Waisenhaus noch immer Kinder. Kinder mit ganz besonderen Fähigkeiten. Schon bald muss Jacob feststellen, dass er tiefer in dem ganzen Mysterium steckt, als er anfangs erwartet hat.

Auch hier – ähnlich wie beim Nachtzirkus – eröffnet Miss Peregrine’s Waisenhaus nicht nur Jacob, sondern auch dem Leser eine ganz neue Welt. Die Kinder, die dort leben, basieren allesamt auf alten schwarz-weiß Fotographien, die der Autor Ransom Riggs zusammengesammelt hat. Alle diese Bilder sind in die Büchern integriert, was der ganzen Geschichte noch einmal eine ganz besondere Stimmung verleiht. Jeder einzelne Charakter ist für sich selbst einzigartig. Doch auch die Handlung an sich nimmt Wendungen, die man nicht erwartet. Im Lauf der Trilogie baut sich eine in jederlei Hinsicht fantastische Handlung auf, mit vielen kleinen Helden und starken Antagonisten. Nicht umsonst ist der erste Teil „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“ ein #1 New York Times Best Seller. 

(Tipp der Autorin: Es gibt eine Verfilmung des ersten Buches, aber ich würde Euch definitiv raten, stattdessen die Bücher zu lesen. Die Verfilmung ändert große Teile des Buches ab und kann die Stimmung, die das Buch vermittelt, leider nicht ganz transportieren.)

 

Momo – Michael Ende

 

Das kleine Mädchen Momo lebt am Rande einer großen Stadt in den Ruinen eines Amphitheaters, mit nichts als dem, was sie findet oder geschenkt bekommt. Die Menschen, die in der Umgebung leben, mögen sie sehr und besuchen sie häufig, weil sie eine besondere Gabe hat: sie ist eine außergewöhnlich gute Zuhörerin. Als eines Tages die grauen Herren in die Stadt kommen, die es auf die Lebenszeit der Menschen abgesehen haben, kämpft Momo darum, sie zu aufzuhalten. Die Schildkröte Kassiopeia ist dabei stets an ihrer Seite und führt Momo an Orte, die selbst ihre Vorstellungskraft übersteigen.

Momo ist eigentlich ein Kinderbuch. Aber es ist ein Roman, den man mit zunehmendem Alter erst so richtig versteht. Michael Ende konfrontiert den Leser dabei mit dem Rätsel „Zeit“. Was ist Zeit eigentlich? Wie kostbar ist Zeit wirklich? Wie wird Zeit sinnvoll genutzt? Dieses Rätsel ist in einer Art Märchen verpackt, das für jede Altersgruppe nicht nur wunderschön ist, sondern auch lehrreich, auf ganz verschiedene Arten. Michael Ende war ein Künstler, der mit Worten Welten beschrieben hat, die für immer in der Literatur verankert sind. Am Ende des Romans hat man nicht nur über Kassiopeia geschmunzelt, Beppos Lebensweisheiten notiert und Momo ins Herz geschlossen, sondern man fragt sich erstmal selbst, ob man seine Zeit denn wirklich schätzt.

 

A Darker Shade of Magic – V. E. Schwab
(dt. Vier Farben der Magie)
Trilogie


Der Magier Kell ist Schmuggler und Botschafter zugleich. Er ist einer der letzten Antari, die mit Hilfe eines Mantels zwischen den Welten wandern können. Die Welten sind dabei die vier verschiedenen Versionen der Stadt London: das rote, das weiße, das graue und das schwarze London. Jede Stadt hat ihre eigenen Eigenschaften. Jede Stadt steht in einer anderen Verbindung zur Magie. Über das schwarze London spricht man nicht. Die Welten stehen in einem Gleichgewicht zueinander. Umso schlimmere Auswirkungen hat es, als Kell unwissentlich ein mächtiges Artefakt in seine Heimat mitnimmt. Auf der Flucht vor einem Feind, der ihm das Artefakt abjagen will, lernt Kell die Diebin Delilah Bard kennen. Zusammen versuchen sie, das Gleichgewicht der Welten wiederherzustellen.

V. E. Schwab ist sowohl im Young Adult Fantasy Genre (hier schreibt sie unter dem Namen Victoria Schwab) als auch im klassischen Fantasy-Bereich des englischsprachigen Raums mittlerweile eine echte Größe geworden. Nicht zuletzt wegen der Welten, die sie entwickelt. Auch hier steht das Zusammenspiel der vier Städte entscheidend im Vordergrund. Jede Stadt zieht den Leser auf unterschiedliche Art und Weise magisch an. Ebenso die Könige, die die Städte beherrschen und deren Beziehung untereinander ein weiteres Spannungsfeld eröffnet. Gepaart mit dem starken Hauptcharakter Kell, der eine Zunft der Magier vertritt, die sich deutlich vom typischen Zauberer unterscheidet, entsteht eine Trilogie, die frischen Wind in die Welt der Magie bringt. Das ist unter anderem auch Delilah Bard zu verdanken, die mit viel Wortwitz und Mut ganz wesentlich zum Verlauf der Handlung beiträgt. Für alle Fantasy-Fans ist die „Shades of Magic“ Reihe eine Empfehlung, wenn auch wohl längst kein Geheimtipp mehr. 

Fotos: Tamina Friedl

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