Pro Jahr verbrauchen wir Deutschen laut der Umwelthilfe 16,4 Milliarden Einweg-Plastikflaschen. Nebeneinandergestellt könnte man damit ein Drittel der Fläche Münchens bedecken, aneinandergereiht ließe sich die Erde etwa 135 Mal umrunden.

Den immensen Verbrauch sieht auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisch und appelliert deshalb „lieber mit Glasflaschen für die Umwelt zu klappern“.

© NGG


Wo liegt das Problem und wie reagiert die Politik?

Nach einer Studie der Umwelthilfe ließen sich bundesweit jährlich 1,35 Millionen Tonnen CO2 einsparen, wenn man alle alkoholfreien Getränke ausschließlich in Mehrweg- statt in Einwegflaschen abfüllen würde. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von 880.000 Mittelklassewagen, die im Durchschnitt 13.000 Kilometer pro Jahr fahren.

Das neue Verpackungsgesetz sieht deshalb seit Jahresbeginn das Ziel einer Mehrwegquote von mindestens 70 Prozent für Getränkeverpackungen vor. Aktuell liegt die Quote nach Angaben des Umweltbundesamts aber nur bei etwa 44 Prozent, unter den nicht-alkoholischen Getränken sogar lediglich bei 23 Prozent.
Damit sich der Kunde bewusst für Einweg- oder Mehrwegflaschen entscheidet, wurde zugleich eine verpflichtende Kennzeichnung am Regal eingeführt.


Einweg- oder Mehrwegflasche? Kunden können kaum unterscheiden

Deutschland hat das größte Mehrwegsystem der Welt. Trotzdem kann die Hälfte der Bürger die Verpackungsarten nicht unterscheiden, sagt der Bundesverband des Deutschen Getränkegroßhandels. Hier ein kurzer Überblick:

Einwegflaschen bestehen aus dem Kunststoff PET (Polyethylenterephthalat) und haben einen festgelegten Pfandsatz von 25 Cent. Sie werden nach der Abgabe im Supermarkt geschreddert oder eingeschmolzen und als sortenreines Plastik weiterverkauft. Ein Teil wird dabei für die Produktion neuer Flaschen verwendet. Im Durchschnitt besteht eine Einwegflasche in Deutschland aber nur zu einem Drittel aus recyceltem PET, einige Hersteller benutzen auch gar keinen wiederverwendbaren Kunststoff.

Bei den Mehrwegflaschen gibt es zwei Varianten – jene aus robustem PET und solche aus Glas. Das Pfand für sie beträgt in der Regel 8 oder 15 Cent. Beide Arten kommen nach Gebrauch zum Hersteller zurück und werden dort gereinigt. Die Flaschen aus Kunststoff können dabei etwa 20 Mal wiederbefüllt werden, bei Glas sind sogar bis zu 50 Mal möglich.

Unterscheiden lassen sich beide Arten anhand folgender Symbole:

© Netto Marken-Discount


Die Lösung: Mehrweg aus der Region

 

„Wer zum Apfelsaft aus Bayern oder zum Mineralwasser in der Glasflasche greift, stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe und tut etwas für die Umwelt“,  betont Kurt Haberl, stellvertretender NGG Geschäftsführer der Region Niederbayern.

 

Dabei spielt es zunächst keine große Rolle, um welche Art von Mehrwegflasche es sich handelt. Entscheidend für die Ökobilanz ist erst einmal die Wiederverwendbarkeit. Zwar kann die PET- im Vergleich zur Glasflasche – nur halb so oft wiederbefüllt werden, dafür ist sie allerdings auch leichter beim Transport und hat daher eine bessere CO2-Bilanz. Deshalb ist hier der regionale Aspekt besonders zu unterstreichen: Je näher sich die Quelle und der Abfüller befinden, desto besser schneidet die Glasflasche ab.

 

„Wie es laufen kann, zeigt sich beim Bier. Hier liegt der Mehrweg-Anteil bei 82 Prozent. Und der Käufer weiß, dass es aus der Glasflasche eben auch besser schmeckt.“, erklärt Haberl.

 

Das bedeutet also: Entweder mehr Bier trinken oder im Supermarkt zu regionalem Wasser aus der Mehrwegflasche greifen. Bei Letzterem gibt es sogar eine noch umweltfreundlichere Alternative – es fließt nämlich auch direkt bei uns zuhause aus der Leitung. Laut dem Umweltbundesamt ist das Trinkwasser übrigens in ganz Deutschland von sehr guter Qualität, außer man hat alte Bleileitungen im Haus.

 

Titelbild: © Hans Braxmeier / pixabay.com

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