Mr. White Christmas

Seit meiner Kindheit gibt es für mich kein Weihnachtsfest ohne den großartigen Bing Crosby. Seine Version von White Christmas gehört für mich zum Fest der Liebe ebenso dazu wie für andere der Besuch in der Kirche oder die Plätzchen im Ofen. Wie der Titel bereits verrät, hoffe auch ich jedes Jahr erneut auf ein weißes Weihnachten. Da ich allerdings für lange Zeit wenig über den Mann mit der Senorstimme wusste, beschäftigt sich der folgende Text mit dem Leben Bing Crosbys und dessen wunderschöner Interpretation von White Christmas, ohne das die Weihnachtszeit nur halb so schön wäre.


Schauspieler, Sänger und Entertainer – Bing Crosby, der Mann mit der Bassbariton-Stimme, gehört zu den bekanntesten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Allein die Single White Christmas wurde nach dem Guinness-Buch der Rekorde schätzungsweise 200 Millionen Mal verkauft! Damit ist die 1942 (Quelle: wr.de) veröffentlichte Version, der meistverkaufte Song weltweit.

Komponiert wurde das Lied von Irving Berlin, der nach eigenen Angaben weder Noten lesen noch schreiben konnte. Daher spielte er seine musikalischen Einfälle seiner Musiksekretärin Helmy Kresa auf dem Klavier vor, die diese dann auf Notenblätter übertrug. Bereits am 8. Januar 1940 spielte Berlin die erste Vision von White Christmas.

Erst ein Jahr später, als er den Auftrag bekam die Filmmusik für den Tanz- und Musikfilm „Holiday Inn“ zu komponieren, kramte Berlin wortwörtlich das Lied wieder aus der Schublade. Die Hauptrolle besetzte niemand anderes als Bing Crosby. Der Mann mit der Senorstimme verzückte das Publikum so sehr, dass jeder die Single White Christmas besitzen wollte. Der Erfolg des Liedes war nicht mehr zu stoppen: Mittlerweile wurden über 500 verschiedene Versionen von White Christmas aufgenommen. Von Latein bis Suaheli. Damit ist der Song der meist interpretierte und auf Platte gepresste Song aller Zeiten.

 

Bing Crosby

Aber nun zu Bing Crosby selber. Über Crosbys Geburtstermin gibt es Unsicherheiten. Während die meisten Quellen das Jahr 1903 angeben, benennt sein Grabstein das Jahr 1904. Den Künstlernamen Bing erhielt der in Tacoma, Washington geborene Harry Lillis Crosby bereits in der Schule, weil er die Comic Strips „The Bingville Bugle“ verschlang. Er war das vierte von sieben Kindern. Nach seinem Schulabschluss in Gonzaga besuchte er die gleichnamige Gonzaga University, an der er Jura studierte. Bereits während seiner Geschäftsreisen sang er in Bars und verdiente so schnell mehr als seine Anwaltskollegen. Daher beschloss Crosby sich statt einer Anwalts- auf eine Gesangskarriere zu konzentrieren.

 

Gesangskarriere

1922 startete er als Schlagzeuger und Sänger der Band „The Musicaladers“. Vier Jahre später schloss er sich, durch die Vermittlung einer befreundeten Sängerin, den „Rythm Boys“ an. Dort entwickelte er den jazzigen Swing-Stil, der zu seinem Erkennungsmerkmal wurde. Er pflegte den Stil des eleganten, aber zugleich lässigen und charmant witzigen Gesang- und Sketch-Vortrags auf der Bühne. Sein Freund Louis Armstrong, mit dem er auch zahlreiche Auftritte hatte, sagte über Crosby: „Bings Stimme hat eine Weichheit, die typisch für Bing ist. Sie ist wie Gold, das aus einem Kelch fließt.“ Bing Crosbys größter Erfolg als Sänger war, wie oben bereits erwähnt, die Aufnahme von Irving Berlins Song White Christmas. Auch heute noch belegt die Single Platz 2 der ewigen Beststellerliste, direkt hinter Candle in the Wind von Elton John.

 

Komiker und Filmstar

Louis Armstrong, Bing Crosby, Peggy Lee and Frank Sinatra

Anfang der 50er Jahre startete Bing Crosby seine Filmkarriere. Er schaffte es 15 Mal unter die zehn populärsten Schauspieler des Jahres. Gemeinsam mit Komiker Bob Hope und Dorothy Lamour entstand Ende der 50er Jahre eine Road-Film-Serie (1939-1961), welche geprägt war von exotischen Abenteuern, Mondreisen, Spionage und Parodien. Beginnend mit dem Film der „Weg nach Singapore“ (1939/40) bis zuletzt dem Film „Weg nach Hongkong“ (1961), die sogenannte „Road to“-Reihe, war ein voller Erfolg. Bing Crosby stand immer wieder vor der Kamera und gewann schließlich im Jahr 1944 den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Darstellung des Pfarrers in dem Film „Going my Way“, zu deutsch: „Der Weg zum Glück“. Eine weitere Oscar-Nominierung folgte für den zum Alkoholiker gewordenen Bühnen-Star in „The Country Girl“ (1954). Sein letzter großer Filmerfolg war 1956 mit „High Society“, bei dem Crosby neben Grace Kelly, Frank Sinatra und Louis Armstrong am Filmset spielte.

Privatleben

1930 heiratete Bing Crosby die Schauspielerin Dixie Lee, mit der er einen Sohn (Gary Crosby) bekam. Nachdem seine Frau 1952 an Krebs starb, heiratete er 1957 die Schauspielerin Kathryn Grant, mit der er weitere Kinder bekam.

Die letzten Jahre

Bing Crosby war ein Mann, der nie stillsitzen konnte. Daher wundert es auch nicht, dass er bis zu seinem Tod aktiv blieb. Er engagierte sich auch im hohen Alter für Waisenkinder, Krankenhäuser und Menschen aus sozial schwachen Kreisen. Auch seinen Hobbies, Angeln, Pferde züchten und Golfen, führte er bis zum Schluss aus. Letztlich starb Bing Crosby am 14. Oktober 1977 auf einem Golfplatz in Madrid an einer tödlichen Herzattacke.

 

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Fotoquelle 2: search.creativecommons.org, classic film scans