Es hat für Geflüchtete nochmal eine viel größere Bedeutung, als für den Rest der Bevölkerung: Das Smartphone. Nicht nur während der Flucht, auch nach der Ankunft in Deutschland ist es zentrale und oft einzige Quelle für Information, Kommunikation und sozialen Kontakt. Warum also nicht Integration mit einem digitalen und mobilen Angebot verbinden? Mit der neuen App BETO (zusammengesetzt aus „better together“) wollen Passauer Studierende genau das erreichen. Seit Dienstag ist die App kostenlos für Android-Geräte im Playstore verfügbar, anlässlich des Launchs stellte das BETO-Team die App im Evangelischen Zentrum St. Matthäus vor.

Dass es an Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung nicht mangelt, war für Kuwi-Studentin Julia Lohfink und Constanze Seibel, Stawi-Studentin, schnell klar, als sie im Sommer vergangenen Jahres begannen sich in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit zu engagieren. Doch es hakte daran die Hilfe zu koordinieren und zu vernetzen. Gemeinsam mit Informatikstudent Dominik Düsel arbeiteten sie deshalb seit September vergangenen Jahres an einer Plattform, die Hilfesuchende, Helfer und Organisationen besser miteinander verbindet. Mit ihrer neuen App wollen sie nun nicht nur eine besser abgestimmte Flüchtlingshilfe ermöglichen, sondern im besten Fall auch die soziale Eingliederung fördern und Freundschaften entstehen lassen.

Conny und Julia stellen die BETO-App vor
Die beiden Gründerinnen von BETO, Julia und Constanze, stellten die App auf Deutsch und Englisch vor. Auch auf Arabisch wurde die Präsentation übersetzt.

Eine Plattform für drei Nutzertypen

BETO richtet sich an drei Interessengruppen: Organisationen, Hilfesuchende und Helfer. Die Sprache der App passt sich dabei an die Einstellungen des Handys an, sodass sie für jeden leicht und barrierefrei nutzbar ist.

Organisationen haben auf BETO zum einen die Möglichkeit, Veranstaltungen zu erstellen und detailliert zu beschreiben. Darüber hinaus können sie Leistungen, wie Übersetzung oder Nachhilfe, anbieten oder Materielles, wie Kleidung und Kinderspielzeug, bereitstellen.

Als Hilfesuchender kann man sich Veranstaltungen in seiner Nähe anzeigen lassen, daran teilnehmen und mit den Organisatoren kommunizieren. Hauptfunktion ist die Möglichkeit, Suchanfragen zu erstellen. Hier bietet BETO viele verschiedene Optionen: nach Unterstützung im Alltag kann man ebenso suchen wie nach gemeinsamen Freizeitaktivitäten, Hilfe beim Deutschlernen oder Haushaltsgegenständen.

Menschen, die helfen möchten, können, analog zu den Anfragen, aus einer Palette an Hilfeleistungen wählen. BETO vergleicht die Gebote und Anfragen im näheren Umkreis und benachrichtigt die Nutzer, falls es ein entsprechendes Hilfegesuch gibt. Nach einer Bestätigung sind Bietender und Suchender dann miteinander „gematcht“ und können im Chat kommunizieren. Wenn die Partner keine gemeinsame Sprache sprechen, übersetzt die App die Texte automatisch.

 

Hilfe auf Augenhöhe

Der Status ist jederzeit änderbar, sodass die Nutzer verschiedene Rollen einnehmen können. Damit ist es auch für Geflüchtete möglich, Unterstützung anzubieten. Ein Aspekt, der den BETO-Macherinnen wichtig war. „Wir wollten diesen Stempel des ‚Von-oben-herab-Helfen‘ vermeiden“, sagt Julia. Ziel müsse es vielmehr sein, „auf Augenhöhe“  zu helfen, erklärt sie weiter. Ein weiterer Aspekt, mit dem BETO punkten will: die App ermöglicht nicht nur die Koordination von Flüchtlingshilfe. „BETO kann auch erstmal als Nachbarschaftshilfe funktionieren“, meint Constanze und hofft, so mögliche Hemmschwellen abzubauen.

Das Team hinter der BETO-App (von links): Zohaib Brohi (iOS-Entwicklung), Dildar Hamo (Übersetzung und Fotos), Natalie Riede (PR & Marketing), Julia Lohfink (Gründerin), Dominik Düsel (Android-Entwicklung), Constanze Seibel (Gründerin).

Neben der Android-Version wird es auch eine Webanwendung und eine App für das iPhone geben. Derzeit arbeitet Zohaib Brohi, Informatikstudent im Master, noch an einer iOS-Variante, Anfang September soll sie im Appstore verfügbar sein. In nächster Zeit will das Team von BETO außerdem gezielt Organisationen ansprechen und die App dort als Best-Practice-Beispiel vorstellen.

Dass die Plattform bei Geflüchteten definitiv auf reges Interesse stoßen dürfte, verdeutlichte Alan Kelo mit einer kurzen Rede während der Launch-Veranstaltung. Er war aus Kurdistan nach Deutschland geflohen und tat sich anfangs schwer ohne Sprachkenntnisse und Kontakte, wie er erklärte. Erst als er neue Leute kennengelernt und einen Freundeskreis aufgebaut habe, sei ihm die Integration leichter gefallen. Sein Fazit zu BETO deshalb: „Eine App, die es schafft eine Brücke zwischen den Menschen aufzubauen, kann nicht schlecht sein“.

 

Hinweis: Der Autor war an der Durchführung eines Usability-Tests für die BETO-App beteiligt.

Autor: David Liewehr

BETO
BETO
Entwickler: Julincon GbR
Preis: Kostenlos

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.