Seit Jahren bereichert das Allround-Talent Topher Lack als Musiker und Autor die Passauer Musik- und Kulturszene. Nun hat der Student den Podcast „Dynamic Identities“ sowie sein neues Album „Ein Stück des Weges“ herausgebracht. Zu diesem Anlass hat sich das Energiebündel Zeit genommen, mit Blank ein bisschen über Musik, Reisen, Identität, Lebensphilosophie und ganz viel Neugierde zu quatschen.

Blank: Wie ist das Album „Ein Stück des Weges“ entstanden?

Topher: Ich habe einige Songs geschrieben auf Reisen nach Spanien und Portugal und während meines Auslandssemesters in Costa Rica. Die Aufnahmen sind dann in drei Sessions zurück in Deutschland entstanden.

Blank: Das Album sprüht ja regelrecht vor Lebensfreude, Sonnenschein und Sehnsucht. Was möchtest du mit deiner Musik ausdrücken?

Topher: Ich will Menschen meine Geschichten erzählen und Menschen, über die ich singe, zu Sprache kommen lassen. Einen soziokulturellen Wandel anstoßen und Menschen aktivieren.

Blank: Hatte Musik bei dir schon immer so einen hohen Stellenwert im Leben?

Topher: Ich kann mich an ein Kinderbild erinnern, auf dem ich auf der Gitarre von meinem Daddy eingeschlafen bin. Ich hatte schon immer einen starken Bond zur Musik und habe mit 10 Jahren angefangen, Songs zu schreiben. Damals habe ich angefangen, Dinge über die ich mir Gedanken gemacht habe, in Musik und Texten zu verpacken. Das war wie mein Lebenstagebuch. Ich habe gemerkt, Gefühle kommen immer wieder und dass es super praktisch ist, wenn ich die einmal konserviere in einem Song. Dann kann ich immer wenn ich in diesem Gefühl bin, den Song spielen, das Gefühl herholen, verarbeiten und wieder gehen lassen.

Blank: Du sagtest, viele deiner Lieder sind auf Reisen in den iberoromanischen Raum entstanden? Was fasziniert dich an der Kultur?

Topher: Ich hatte dort das Gefühl, dass ich dort oft in Umgebungen war, die geprägt waren von einer Einfach mal machen– Mentalität, keine Scheu haben, jemanden kennenzulernen und habe da auch viel über Emotionalität gelernt. Ich war es davor nicht gewohnt, dass man so ehrlich und direkt aufeinander zugeht und sich einander so einbezieht in Gruppen. Was ich auch spannend fand, war das Gefühl, dass egal wo man bohrt in der lateinamerikanischen Historie, überall findet man Geschichten von Revolution, Auflehnen, kritischem Hinterfragen, Widerstand leisten – und das war vielleicht etwas, was ich in meiner Erziehung und Kindheit nicht machen musste und deshalb spannend finde.

 

Blank: In deinem Podcast „Dynamic Identities – Honest Storys of Humanity“ interviewst du Menschen zu ihren Lebensrealitäten. Ihr sprecht darüber, was Menschen lebendig macht, sie inspiriert und geht der Frage auf den Grund, wie Identität entsteht. Woher kommt dieses riesige Interesse an deinen Mitmenschen?

Topher: Besonders in der Zeit nach dem Abitur habe ich angefangen, meinen Mitmenschen viele Fragen zu stellen. Es gibt so viele verschiedene Leute, die so viele unterschiedliche Dinge tun und ich wollte wissen warum. Ich wollte wissen, was sie tun würden, wenn alles möglich wäre und was sie gerade tun und ob darin ein Unterschied besteht und wenn ja, wie es dazu gekommen ist. Nicht, um andere zu verurteilen, sondern um zu verstehen wie es im Leben laufen kann und was alles passieren kann. Das wusste ich damals natürlich noch nicht, aber diese vielen Fragen sollten später die Grundlage bilden für mein Buch, das Dreamstream.

Blank: Kannst du uns erklären, was das „Dreamstream“ ist ?

Topher: Ich verstehe Dreamstream als Werkzeug oder Mindset. Der Ansatz beim dreamstreamen ist, sein inneres Kind herauszuholen: Was wünscht du dir wenn alles möglich ist? Ob etwas real möglich ist, spielt dabei erstmal keine Rolle. Es geht erstmal darum, herauszufinden was du fühlst und später kann man die Brücke bauen zwischen Traumvision und Realität. Das freie Träumen hilft, seine Werte und Bedürfnisse zu finden. Warum wünsche ich mir das? Das ist die Power von Dreamstream: Man lässt erstmal alles zu, findet dann heraus, warum das alles aus einem heraussprudelt. Und dann herausfinden, wie ich diesen Traum so nah wie möglich an die Realität heranbringen kann. Dann ist der Ausgangspunkt immer das Beste, was ich mir vorstellen kann und nicht das Realistischste. Und genau dieser Unterschied ist die Energie, die frei wird, wenn man anfängt, mit offenen Augen zu träumen.

Blank: Was ist dein persönlicher Dreamstream? 

Topher: Puh, das ist eine große Frage. Ich hatte schon mehrere in verschiedenen Lebensphasen. Aber wenn du mich jetzt fragst, dann ist es: Ich lerne alle Bildungssysteme und Institutionen der Welt kennen, in verschiedensten Ländern, kann alle Sprachen sprechen und bin mit einem Team unterwegs. Wir drehen einen Dokumentarfilm, in dem wir die Créme de la Créme aller Bildungskonzepte sammeln.

Blank: Wusstest du schon immer so genau, was du im Leben erreichen möchtest?

Topher: 2016 kam ein krasser turning Point in meinem Leben. Ich habe das Buch 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen gelesen. Danach habe ich ein Experiment gestartet, welches viele Wechsel und Wandel angestoßen hat. Ich habe mich jeden Abend gefragt: Wenn dieser Tag heute repräsentativ wäre für mein ganzes Leben – es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft – hat sich das gelohnt? Würde ich es nochmal so machen? Was sind die Dinge, die ich lebenswert fand und welche alle nicht? Ich habe angefangen, mir das alles aufzuschreiben und dabei ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, worauf es mir eigentlich ankommt. Das kann man echt ganz gut auf einen Tag anwenden. Dabei habe ich gemerkt, dass ich in meinem Leben was ändern muss. Habe meine damalige Beziehung beendet, Studium gewechselt und bin nach Passau gezogen. Ich habe noch eine Reise gemacht nach Argentinien und Chile und habe angefangen, Seminare bei Musiker ohne Grenzen zu geben. Als ich in Passau angekommen bin, war gerade die Pulse of Europe- Zeit und dabei kam mir die Idee zu dem Song  Deine Stimme zählt. Eins kam zum anderen, auf einmal waren wir in Berlin, haben diesen Song aufgenommen und ein Video gedreht und der Song wurde schließlich der offizielle Song für die U18-Bundestagswahlen 2017. Darüber habe ich auch angefangen, mich viel mit Politik und Demokratie auseinander zu setzen. Da ich auch am Anfang nichts davon geplant hatte, hat mich das ermutigt Projekte oder Ideen anzufangen, ohne dass sie perfekt sein müssen.

Blank: Was möchtest du deinen Mitmenschen mitgeben?

Topher: Bei vielen Projekte habe ich das Gefühl, dass sie andere Menschen aktivieren. Sei es der Song Deine Stimme zählt, dass sich Menschen sich mit Politik beschäftigen. Sei es das Buch The Dreamstream , dass Menschen aktiv werden, ihre Ideen umzusetzen. Sei es der Podcast Dynamic Identities, damit Menschen die Lebensrealitäten von anderen Menschen mitbekommen und ihr Empathie-Vermögen erweitern. Dabei geht es überall darum, Menschen zu ermutigen sich auszudrücken, sich einzubringen und Zugang zu ermöglichen. Ich glaube, das steht hinter all meinen Projekten.

Das Album Ein Stück des Weges findet und den Podcast Dynamic Identities findet ihr auf Spotify!

 

Fotos: Lea May (@leymey) und Patrice Großkreutz

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