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Starkes Bier für schwere Zeiten – Auf dem Nockherberg 2016

Paulaner am Nockherberg, 2006 von Wolfgang Kopp (CC BY-SA 2.0 de)

Zuwanderung, Koalitionsstreit und Thronfolgerdebatte. Bayerische Politik mag den einen oder anderen verunsichern. Doch bei aller Unsicherheit und den berechtigten wie unberechtigten Sorgen der Bevölkerung, wissen wir Bayern eines mit aller Bestimmtheit. Die Starkbierzeit kommt. So viel ist sicher.

Die traditionelle Starkbierprobe auf dem Münchner Nockherberg stellt alljährlich die kabarettistische Abrechnung mit der bayerischen Landespolitik dar und hat sich zu einer festen Institution entwickelt, die auch dazu geeignet ist, den einen oder anderen Bundespolitiker aus dem fernen Berlin an die Isar zu locken. Am Mittwoch, den 24.02., war es wieder so weit. Die Brauerei Paulaner lud zum Tanz.

Ein schwieriges Jahr 2015 versprach einen interessanten Nockherberg 2016.

Zum mittlerweile sechsten Mal las die Schauspielerin und Kabarettistin Luise Kinseher, in der Rolle der „Mama Bavaria“, der anwesenden Politprominenz in ihrer Fastenpredigt die Leviten. Die fiel deutlich schärfer aus, als noch 2015 und drehte sich vorwiegend um das Thema Flüchtlingspolitik sowie zunehmende rechte Tendenzen in Politik und Gesellschaft. In diesem Sinne forderte Luise Kinseher Toleranz, Menschenfreundlichkeit und Integration. Während die Rede bei der Opposition und vor allem Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) großen Anklang fand, wirkte das Kabinett rund um Ministerpräsident Seehofer (CSU) wenig begeistert. Kein Wunder, schließlich kam die CSU in diesem Jahr ausgesprochen schlecht bei ihrer „Mama“ weg.

Das anschließende Singspiel, Brain-Sturm, von Autor Thomas Lienenlüke und Regisseur Marcus H. Rosenmüller griff die Flüchtlingsfrage metaphorisch, in Form einer nahenden Unwetterfront, auf und installierte zwei Ebenen der Erzählung. Die Ebene der vordergründigen Handlung und die Gedanken- und Gefühlswelt im Gehirn des Singspielprotagonisten Horst Seehofer wurden, wenngleich räumlich getrennt, geschickt zu einem stimmigen Ganzen verwoben. Diese Zweiteilung machte das diesjährige Singspiel zu einem surrealen Spektakel, das zwar nicht auf klamaukige Pointen verzichtet, aber dennoch eine übergeordnete Botschaft wohl verpackt zu transportieren weiß.

Die Inszenierung war es auch, die durch das Stück trug. Raffinierte Bilder und grandiose Musikeinlagen hoben die Veranstaltung auf ein neues qualitatives Niveau. Schauspielerisch sei an dieser Stelle die herausragende Leistung von Söder-Darsteller Stephan Zinner erwähnt, der die ordentliche Restbesetzung, wie jedes Jahr seit dem Weggang von Wolfgang Krebs, mit einer beeidruckenden Darbietung regelrecht an die Wand spielte.

Das Duo Lienenlüke-Rosenmüller hat in diesem Jahr sein bisher bestes Singspiel abgeliefert, vielleicht schon sein Meisterstück. Die Messlatte für das nächste Jahr liegt jedenfalls dementsprechend hoch.

 

Beitragsbild: Luise Kinseher by Richard Huber (CC BY-SA 3.0)

Hintergrundbild: Flag of Bavaria by Jwnabd  (CC BY-SA 3.0)

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