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Review: Fantastic Beasts and Where to Find Them

„Pepsi schmeckt einfach nicht wie Cola, auch wenn alle behaupten, dass sie das gar nicht soll.“ Vielleicht ein sehr gewagter Vergleich, dennoch war das mein erster Gedanke, als ich im Kino saß und der Abspann von „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ über die Leinwand flimmerte. Die neue Warner Brothers Produktion, inspiriert von dem gleichnamigen 50-seitigen Lehrbuch aus Joanne K. Rowlings Feder, versucht sich als Ableger der Potter-Reihe und entführt uns zu einem neuen Abenteuer in die magische Welt. Die Regie führte, wie bereits in den letzten vier Potter-Filmen, David Yates.

 

Der Film erzählt die Geschichte von Newt Scamander, gespielt von Oscar-Gewinner Eddie Redmayne, ein abenteuerlustiger Zauberer und Sammler magischer Tierwesen, der zu Beginn des Films im New York von 1926 auftaucht und dort prompt Chaos in einer Bankfiliale anrichtet, weil ihm eines seiner Tiere aus seinem magischen Koffer entwischt. Der „Niffler“ wird zwar, nach einigem hin und her und einem ausgeräumten Tresor, wieder eingefangen, jedoch vertauscht Newt seinen Koffer mit dem des ahnungslosen Fabrikarbeiters und Muggel Jacob Kowalski (Dan Fogler). Dieser wird von einem weiteren magischen Bewohner des Koffers in seinem Appartement attackiert und damit beginnt eine abenteuerliche Jagd durch Manhattan für die beiden Fremden, die nun schleunigst die geflohenen Wesen wieder einfangen müssen, bevor diese dem Gefolge des magischen Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika zum Opfer fallen. Der hat die Zucht von magischen Tierwesen in Amerika verboten. Begleitet werden sie dabei von der melancholischen Aurorin, Porpentina Goldstein (Katherine Waterson), die durch das Fangen der Tiere das Wohlwollen der Präsidentin wiedererlangen will. Schon bald wird klar, dass es eine viel größere Bedrohung als die entflohenen Tiere gibt. Eine dunkle Macht treibt ihr Unwesen und zerstört ganze Häuserblocks in New York City.

Was der aufmerksame Leser schon bemerkt haben sollte, wird im Kino schon nach wenigen Minuten deutlich: Die Story verläuft nach Hollywoodschema Z und ist mehr wirr, als logisch. Eigentlich unüblich für Joanne K Rowling, die das Drehbuch selbst verfasst hat. Aber was in den Harry Potter Filmen noch ein aufregender Zaubertrank aus magischen Abenteuern war, die am Ende immer ein bis ins Detail ausgearbeitetes Bild ergaben, wird hier zu einem Hexenkessel aus wahllos zusammengerührten Zaubertricks. Wo sie früher jeden Charakter mit einem ordentlichen Löffel liebenswürdiger Eigenarten gewürzt hat, verkocht hier die Authentizität in der leicht übertriebenen Verrücktheit der Charaktere. Sogar Eddie Redmaynes eigentlich so verwirrt-geniale Art ist um eine Prise versalzen.

 

ACHTUNG SPOILER: Wenn im nach zwei Stunden lange überfälligen Finale, auch noch ausgerechnet Johnny Depp in der Rolle des gefürchteten, dunklen Zauberers Grindelwald auftaucht, explodiert der vollgeknallte Kessel und versengt den Warner Brothers Produzenten ordentlich die Augenbrauen. Eher mittelmäßig fantastisch.

 

Der Film soll nur der Auftakt zu einer tatsächlich 5-teiligen Reihe sein. Albus Dumbledore würde sich wohl in seinem Marmorgrab umdrehen, wenn er das wüsste. Sicher, die Idee des Films geht definitiv auf: Mit dem für Rowling typischen, augenzwinkernden Humor und vielen liebevollen Details nimmt er die Zuschauer mit auf eine neue, magische Reise und schafft noch einmal jene verzaubernde Atmosphäre, die wir ausgehungerten Harry Potter Fans so schmerzlich vermissen. In einigen Momenten musste auch ich schmunzeln, etwa wenn einige der magischen Wesen, die in den Harry-Potter-Filmen nie mehr als ein Name in einem Schulbuch waren, plötzlich aus Newt Scamanders Koffer springen und ein riesiges Chaos in der wie immer ahnungslosen Muggelwelt anrichten.

Nett und lustig reicht unterm Strich bekanntlich trotzdem nicht, vor allem wenn man in solch große Fußstapfen treten will. Natürlich, Warner Brothers will nicht an Harry Potter anknüpfen, die  „Fantastic Beasts“ sollen eine eigenständige Reihe werden, eine neue magische Ära einleiten. Wahrscheinlich haben sie ja genau deshalb auch direkt in der Eröffnungsszene die Harry-Potter-Titelmelodie einspielen lassen. Ich könnte schwören, in diesem Moment habe ich Dumbledore schallend lachen gehört.

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