Menschen mit vollgestopften Tüten von Primark und H&M fluten täglich die deutschen Innenstädte, wie kauflustige Amerikaner die Einkaufszentren am Black Friday. Ein Shirt für 5 €, die Jeans gibt’s schon für 10 €. Der kleine weiße Zettel, auf dem das Herstellungsland verzeichnet ist, interessiert frühestens wenn man herausfinden will, auf wie viel Grad das Kleidungsstück gewaschen werden soll. Fast-Fashion nennt sich das ganze System – mit passenden Schlagworten wie hip, billig und schnell. Große Modeketten bringen in immer kürzeren Abständen neue Kollektionen zu Spottpreisen auf den Markt, die von den Verbrauchern oft nur ein paar mal getragen werden, bevor sie in den Tiefen des Kleiderschranks verschwinden, um dann letztendlich im Altkleider-Container zu landen. Nur wenige stellen sich die Frage, wie Kleidung so wenig kosten kann. Die Antwort liegt auf der Hand: Die Billigproduktion geht zulasten der Arbeiter und der Umwelt in Ländern mit einer florierenden Textilindustrie wie Bangladesch. Zuletzt löste der Einsturz eines Fabrikgebäudes, in welchem Kleidung für den Export produziert wurde, eine neue Debatte über Arbeitsbedingungen und Sicherheitsmängel aus. Dass es auch anders geht, zeigen immer mehr nachhaltige Mode-Labels, die auf Transparenz während der Produktion und soziale und ökologische Nachhaltigkeit setzen. Eines davon ist refurbish, welches von den zwei Studenten und Brüdern Pepe und Fabian Fritz gegründet wurde. Im Interview erklärt Fabian, was refurbish ist, für was es steht und was das Ziel des Projekts ist.

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen ein nachhaltiges Modelabel zu gründen?
Mein Bruder war in Stuttgart auf der Suche nach einem Produkt dieser Art und hat einfach nichts gefunden. Im Internet gab es zwar nachhaltige T-Shirts bzw. Kleidung, das Design war aber meist nicht wirklich cool. Dann hat er sich hingesetzt und seine eigenen T-Shirts designt. Die haben unsere Freunden ziemlich gut gefallen und daraus entstand dann refurbish.

 

Refurbish

Beim Fotoshooting steht eins im Vordergrund: Natürlichkeit

Was ist refurbish?
Zum einen soll aus Bio-Baumwolle und recycelten Plastikflaschen ein nachhaltiges und fair-produziertes Produkt kreiert werden und zum anderen darf der soziale Aspekt nicht vernachlässigt werden. Keine Kinderarbeit und eine faire Entlohnung sind dabei wichtig. Als wir uns auf die Suche nach einer Druckerei gemacht haben sind wir auf die 7 Siebe von Caritas gekommen, ein Arbeitsprojekt für ehemalige Drogenabhängige. Außerdem haben wir uns die Frage gestellt, was mit unserer Kleidung passiert, wenn sie ausgetragen ist. Meistens wird diese dann weggeworfen, womit aber niemandem geholfen ist. Also kann man diese Kleidung an uns zurückschicken: wir verkaufen sie dann entweder als Secondhand, oder stellen daraus Jutebeutel her. Auch wollen wir der Gesellschaft noch etwas zurückgeben. So kamen wir auf die Idee soziale Projekte zu initialisieren oder zu fördern. Oft können gespendete Gelder nicht nachverfolgt werden und das ist bei uns anders.

 

Wo werden die Sachen genau hergestellt?
Die Shirts werden von der Continental Clothing Company, die seit 2006 ein Mitglied der Fair Wear Foundation ist, hergestellt. Das Tochterunternehmen Salvage mischt Verschnitte aus Biobaumwolle mit recycelten Plastikflaschen und stellt daraus T-Shirts her. Es gibt 3 Standorte: Indien, China und die Türkei. Der ganze Prozess ist dabei durch Zertifikate gesichert.

 

Worum handelt es sich bei dem Airstream-Projekt und der Crowdfunding-Kampagne?
Wir möchten einen Van kaufen und darin ein kleines Verkaufslager eröffnen. Gleichzeitig wollen wir eine Art Tourbus daraus machen, um unsere sozialen Projekte zu unterstützen. Auch sollen Community-Events veranstaltet werden, bei denen wir Künstler oder andere Startups einladen, die sich mit nachhaltigen Modellen auseinandersetzen. Die Crowdfunding-Kampagne soll voraussichtlich Ende des Jahres gestartet werden.

 

Wird pro verkauftem Teil ein gewisser Betrag an gemeinnützige Organisationen gespendet?
Wir sind Mitte März gestartet und haben Ende Mai das erste Projekt durchgeführt. Das Geld wird direkt, wenn etwas verkauft wurde, verwendet.

 

Was hebt euch von anderen grünen Labels ab?
Die Produkte weisen eine gewisse Ähnlichkeit auf, jedoch sind die Prints vollkommen unterschiedlich. Wir haben jetzt eine Animal-Collection rausgebracht, welche limitiert auf die Anzahl ist, in der die pandaartgefährdeten Tiere heute noch lebend vorkommen. Die Daten haben wir aus der Roten Liste des WWF. Zudem heben wir uns mit dem sozialen Aspekt von den anderen Marken ab: sowohl mit der Druckerei selber als auch mit den sozialen Projekten und dem Upcycling-Prozess.

 

Wie steht ihr zu Kollektionen wie der „Conscious Collection“ von H&M?
Ich sehe das Ganze etwas kritisch. Beispielsweise stehen zwei Werke nebeneinander, eines ist zertifiziert und das andere nicht. Sobald die Prüfer nicht da sind, werden die Produkte eines herkömmlichen Werkes in das „Fair-Werk“ geschmuggelt. So wird Mode einfach fair gemacht, obwohl sie es nicht ist. Bei so einem großen Unternehmen, welches bekannt dafür ist, T-Shirts für 30 Cent zu produzieren, ist es fraglich, ob da alles mit rechten Dingen abläuft.

 

Wie wird sich Green Fashion/ Slow Fashion deiner Meinung nach weiterentwickeln?
Die Leute achten immer mehr auf ihr Leben: sei es vegane Fashion oder der gesamte vegane Lebensstil. Die Lebensmittelindustrie geht der Mode voraus. Heute haben sich Bio Läden in jeder Stadt etabliert und es gibt einen allgemeinen Trend zu gesundem Lifestyle. Die Modebranche hat erst relativ spät mitgezogen ist jetzt aber stark im Kommen. Trotzdem ist es nicht einfach, da es zurzeit ein Überangebot an grüner Mode gibt.

 

Wie soll refurbish in 5 Jahren aussehen?
Als erstes müssen wir rein rechtlich gesehen, die sozialen Projekte in einen Verein ausgliedern. Mit den regelmäßigen Einkünften sollen dementsprechend größere Projekte gestemmt werden. Es wäre schön, wenn wir in 5 Jahren das erste deutschlandweite Großprojekt starten könnten. Gerade planen wir einen Kindersporttag, der Schule, Kinder und Vereine zusammenführt. Zudem könnten die Camps mit der Kinderkrebsstiftung deutschlandweit ausgeweitet werden. Auch hoffen wir auf stetige Cashflows, sodass refurbish weiter wächst.

camp

Weitere Infos zu refurbish auf http://www.refurbish-online.com/ oder auf Facebook.

Bilder: refurbish

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