KABALE. – Schiller in der Psychiatrie

„Schiller hätte sich im Grabe umgedreht!“ – Das ist durchaus als Kompliment an die Aufführung von „Kabale.“ (wohlgemerkt ohne Liebe, dafür mit Punkt) der Theatergruppe KultLaute zu verstehen. Regisseur Sebastian Ruppert hat sich gemeinsam mit Textbuchautorin und Regieassistentin Julia Jung an den seit trostlosen Deutschstunden zu Zeiten der Oberstufe ungeliebten Stoff Schillers gemacht und ihn herrlich skurril adaptiert.

Hier regiert der Präsident
Hier regiert der Präsident

Das psychotische Trauerspiel erinnert mit seinem Setting sehr an Dürrenmatts „Die Physiker“, finden sich Schillers Figuren doch in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt wieder. Das absurde Standesgeplänkel, welches die Protagonisten aufziehen, obwohl sie doch allesamt gleichgestellte Patienten sind, ist herrlich mit anzusehen, wenn auch nicht mehr ganz ernst zu nehmen. Die Längen des Orignals umschifft diese Adaption gekonnt, indem sie zwischen Situationskomik und Ernsthaftigkeit osziliert, man als Zuschauer vor allem gegen Ende hin am liebsten selbst zum Therapeuten der absurd agierenden Figuren werden möchte. Meist bleibt einem aber nur mit dem Kopf zu schütteln und auch einmal herzhaft zu lachen, der süffisant grinsende Pfleger Max macht es ja auch nicht anders.

Im Zentrum des Geschehens steht nach wie vor die Liebschaft des Präsidentensohns und Majors Ferdinand von Walter (Florian Kronawitter) mit der bürgerlichen Tochter eines Musikus, Luise Miller (Sophia Heckmann). Diese Verbindung missfällt aber nicht nur dem herrischen Vater, dem Schauspieler Jakob Kelsch trotz Bademantel und Papierkrone gekonnt Authentizität als ehrfurchtgebietender Despot verleiht. Auch weitere Gestalten, die im Dunstkreis des Präsidenten fleuchen, haben andere Pläne. Und so lassen die ersten Intrigen und Verschwörungen in den kalten Mauern der Anstalt nicht lange auf sich warten.

Ob diese Kabale gelingt, ob das Personal der Anstalt wirklich alles im Griff hat und wo eigentlich „und Liebe“ geblieben ist, könnt ihr noch am 29. und 30. Januar im ITZ 017 herausfinden. Ein Besuch in der Psychiatrie lohnt sich auf jeden Fall, nicht zuletzt um psychische Traumata aus Oberstufentagen vergessen zu machen!