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Generation Zukunftsangst – Rechtsruck: Zwischen Hoffnung und Angst

In dieser Zeit voller Krisen jung zu sein, bedeutet vor einer unsicheren Zukunft zu stehen. Wir haben am Campus der Uni Passau nachgefragt, was euch am meisten Angst macht. Den drei größten Ängsten widmen wir in der Reihe „Generation Zukunftsangst“ je einen Artikel, um dem ein bisschen Mut entgegenzusetzen.

„Menschenfeindliche Politik“, „Nazis“, „Angst vor Demokratierückfall“ – all diese Zitate aus unserer Umfrage beschreiben das gleiche Problem: die Angst vor dem Rechtsruck in Europa und insbesondere in Deutschland. Diese Sorgen kommen keineswegs aus dem Nichts. Parteien wie die AfD gewinnen zunehmend an Zuspruch, was auch Wahl- und Umfrageergebnisse zeigen. Wenn morgen Bundestagswahl wäre, würden knapp ein Drittel der Menschen ihr Kreuz bei der AfD machen. Bei der Angst vor dem Rechtsruck geht es aber um mehr als nur ein Wahlergebnis. Es geht um die Angst vor einer Gesellschaft der Ausgrenzung, in der Mitmenschen oder gar man selbst nicht mehr dazugehören soll. Und das nur, weil man so ist, wie man ist.

Politische Debatten über Migration, Vielfalt oder nationale Identität werden zunehmend emotionaler und unsachlicher. Vor allem Social Media trägt zu dieser Entwicklung bei. Die Inhalte können sich durch Reels oder TikToks schnell verbreiten und so ein großes Publikum ansprechen. Dazu entsteht ein weiteres Problem: Kommentarsektionen, geflutet von blauen Herzen, Deutschlandfahnen oder rechten Meinungen, erzeugen das Gefühl, dass man selbst in der Minderheit ist. Dieses Gefühl entsteht nicht zufällig. Algorithmen belohnen und verbreiten immer extremere Videos, die Aufmerksamkeit erzeugen. Besonders gut funktionieren dabei Inhalte, die Emotionen wie Wut, Hass oder Angst hervorrufen. Die Grenzen des Sagbaren werden immer mehr ausgetestet, bis sie schließlich komplett verschwinden und von Verschwörungserzählungen bis zu Desinformation alles in die Weiten des Internets posaunt wird. Vor allem populistische und rechte Gruppen wie die AfD nutzen diese Strategie, gerade um junge Menschen zu erreichen. Dabei darf man eines nicht vergessen: Mehr Aufmerksamkeit heißt nicht immer automatisch mehr Zustimmung für rechte Positionen. Gerade in den sozialen Medien erscheinen extreme Meinungen oft größer, als sie in Wahrheit sind. Aus Angst vor Ausgrenzung oder aus einer Art Schockstarre bleibt man still und setzt den rechten Inhalten nichts entgegen.

Doch nicht nur die politischen Entwicklungen selbst und die Konfrontation mit rechter Ideologie machen Angst. Vor allem das Gefühl, machtlos einer negativen Zukunft entgegenzusteuern. Dass irgendwann alles unausweichlich ist. Doch ist das wirklich so?

Erinnern wir uns an 2024 und die Protestwelle gegen den Rechtsextremismus. Dabei kamen deutschlandweit insgesamt ca. 3 Millionen Menschen auf über 1200 Kundgebungen zusammen. Die Demonstrationen wurden dabei von einer breiten gesellschaftlichen Basis getragen und Sportvereine, Kirchen, Gewerkschaften oder Bürgerinitiativen wie die „OMAS GEGEN RECHTS“ beteiligten sich an ihnen. Zwar fiel der Rechtsruck in den darauffolgenden Kommunal- und Europawahlen nur etwas niedriger als erwartet aus, etwas bewirkt haben die Proteste aber trotzdem: Die Gefahren des Rechtsextremismus wurden anschließend immer häufiger ein Thema in der öffentlichen Debatte. Ein Beispiel dafür sind die Diskussionen über ein mögliches AfD-Verbot.

Dazu entstanden viele weitere überparteiliche Organisationen und Bündnisse, die sich in der Folge gegen Rechtsextremismus engagierten. Dazu gehört auch das „Bündnis für Demokratie und Vielfalt“ Passau, welches aus Organisationen, Einzelpersonen und Vereinen besteht. Durch Demonstrationen oder Kundgebungen möchte das BDV in Passau und Umgebung gegen Rechtsextremismus vorgehen und die nächste Aktion steht bereits an:

Am 20. und 21. Juni wird die AfD ihren Landesparteitag in der Dreiländerhalle in Passau abhalten. Dabei erwartet man bis zu 2000 Teilnehmende. Im Zuge dessen haben einige Organisationen, wie die „Studis gegen rechts“ oder die „Jusos“ aus Passau, Demonstrationen angekündigt, um zu zeigen, dass Passau kein Ort für Rechtsradikale ist. Ihr Ziel ist es, dass für jeden Rechten in der Dreiländerhalle 5 Personen auf den Straßen und Plätzen im Umfeld dagegen protestieren.

Gruppen wie diese zeigen, dass der Rechtsruck keineswegs eine Entwicklung ist, der man tatenlos zuschauen muss. Es gibt viele Menschen – auch hier in Passau –, die sich für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt einsetzen. Natürlich wird der Rechtsextremismus nicht durch eine einzelne Demonstration verschwinden. Ebenso wenig wie eine einzelne Person eine politische Entwicklung verändern kann. Doch wer sich aus Diskussionen zurückzieht und die rechten Inhalte auf seiner ForYou-Page resigniert weiterswipet, kann nichts verändern. Wer Haltung zeigt und seine Stimme erhebt, kann Entwicklungen prägen. Das muss auch nicht zwingend über Demonstrationen geschehen. Es gibt noch viele weitere Wege, sich einzubringen. Sich zu informieren, weiterzubilden und mit Menschen zu diskutieren sind wichtige Schritte, um Veränderung anzustoßen. Die Zukunft ist daher noch nicht entschieden, sie hängt davon ab, wie viele Menschen bereit sind, für sie einzustehen. Die Angst vor dem Rechtsruck ist verständlich, sie darf aber nicht in Resignation enden. Denn man ist nicht allein, und das macht doch Hoffnung.

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