DVDKritik Interview – Teil 1

Letzte Woche gab es ja mit dem Filmtalk schon einen kleinen Vorgeschmack auf unser Interview mit Robert Hofmann, dem Betreiber des YouTube-Kanals „DVDKritik“. Während des Gesprächs im Café „Spreegold“ nahe des Berliner Alexanderplatzes klärte der Filmkritiker BLANK über die Anfänge seines Channels auf, verriet einige Zukunftspläne und warum er seinen Zweitkanal RoBSNToWN ins Leben gerufen hat.

Vor ungefähr zwei Jahren hast du mit DVDKritik angefangen. Was war der Auslöser dafür?
Ich habe früher als Schauspieler für Film und Fernsehen gedreht und davon gelebt. In Deutschland wird das aber irgendwann langweilig. Hier gibt es keine geilen Stoffe oder Projekte. Und als Schauspieler bist du immer am Ende der Nahrungskette. Du hast nicht so richtig was mitzubestimmen, es gibt immer Auf- und Abs.Ich brauchte irgendeine Konstante im Alltag. Deshalb habe ich – zunächst aus Spaß – mit YouTube angefangen. Man kann einfach nicht wochenlang rumhängen, das wird nervig. Du brauchst irgendwas Cooles! Und über Filme konnte ich halt schon immer lange reden. Irgendwie lief es dann immer besser, besser, besser.

Und jetzt lebst du davon.
Ja, inzwischen schon.

Wann hast du gemerkt, dass es zum Leben reicht?
Ungefähr vor einem Jahr wurde mir klar, dass es sich scheinbar so entwickelt hatte und zu funktionieren schien. Wenn du zweieinhalb Jahre an etwas kontinuierlich jeden Tag arbeitest, dann passiert das nicht von heute auf morgen. Das kommt so sukzessive. Du merkst halt, dass dir immer mehr Leute zuschauen. Am Ende ist es ja so: je mehr Klicks du hast, desto mehr verdienst du. Es war nie meine Intention, damit in erster Linie Geld zu verdienen. Es ist schön, wenn man eine Sache mit Leidenschaft macht und die Leute das gucken. Aber wenn du natürlich auf einmal größer wirst und das Finanzielle dazukommt, dann sagst du auch nicht Nein. Dann freust du dich darüber.

Du hast jetzt in zweieinhalb Jahren schon über eintausend Videos gemacht. Wie lange arbeitest du pro Tag daran?
Also ich habe ja meinen Hauptkanal, ich habe einen Zweitkanal und ich mache noch auf einem anderen Channel so eine Art „Crime-Stammtisch“ mit. Da reden wir über Verbrechen und ich bin immer einmal die Woche betrunken, was auch irgendwie total strange ist. (lacht) Ich mache jeden Tag zwei Videos und muss mich schon sechs Stunden pro Tag damit auseinandersetzen. Man darf ja auch nie vergessen, dass es nicht nur Video-machen-schneiden-hochladen ist. Du musst den Film gucken, du musst recherchieren, du musst es betreuen, du musst mit deinen Leuten schreiben. Ich mache Gewinnspiele, ich verlose Premierentickets, gehe selbst auf Premieren, oder mache – wie jetzt zum Beispiel – Interviews. Das frisst natürlich alles Zeit. In Zukunft wird es auch noch größere, geplantere Sachen geben. Am Ende ist es einfach ein Full-Time-Job. Der aber Spaß macht!

Was ist denn im Berufsfeld YouTube/Internet am wichtigsten? Es aktualisiert sich ständig, wahrscheinlich muss man sich die ganze Zeit anpassen oder? Es gibt traditionelle Jobs, die über Jahrhunderte gleich bleiben und das Internet verändert sich ständig. Vielleicht kommt uns das momentan auch nur so vor, aber…
Ja… Ich weiß nicht. Ich hab das Gefühl, dass das, was ich bei meinem Hauptkanal mache, eigentlich immer noch das Gleiche ist, was ich vor zwei Jahren schon gemacht habe. Nur mit besserer Kamera, besser vorbereitet, mit mehr Möglichkeiten. Klar, ich habe mich professionalisiert, weil ich mir mehr Mühe gebe und mehr Zeit dafür habe, aber im Kern verändert habe ich mich eigentlich gar nicht. Weswegen ich das jetzt nicht bestätigen würde. Man muss sein Ding machen. Das suchen die Zuschauer auch. Das Internet ist heutzutage voller Schnitte und Leute, die immer einen auf hip machen; voller ADS, hab‘ ich so das Gefühl. Da braucht man einfach auch mal Leute, die am Stück einen Text durchreden können. Leute, die vielleicht nicht sich selbst in den Vordergrund rücken, sondern die Sache. Wenn ich über Filme rede, geht es mir immer darum, den Leuten zu sagen: „Gebt ihr jetzt Geld für ein Ticket aus, oder lohnt sich das nicht?“
Und ich glaube, die Leute sind ganz zufrieden, dass es nach einer Zeit voller Rumgespringe und Rumge-“HeywirsindcoolundwitzigundComedy“ eine gewisse Beständigkeit gibt.
Ich denke es gibt beides. So wie aber auch allgemein bei Berufen. Jeder Berufsstand ändert sich in der Welt so ein bisschen. Und in der ganzen Computerwelt. Insofern… schwierig.

Man sagt ja immer, dass durch das Internet weltweit alles zugänglich ist – beziehungsweise du als deutschsprachiger Kanal, eben national. Merkst du das? Oder ist es eher so, dass du trotzdem hauptsächlich regional – also in Berlin – die meisten Abonnenten hast?
Nee, schon in ganz Deutschland, der Schweiz und in Österreich. Also die Länder, die hauptsächlich Deutsch sprechen. Zum Beispiel auch Belgien. Aber es gibt ebenfalls ganz viele, die mir aus den USA schreiben: „Robert, hab‘ gerade den und den Film gesehen“. Da kommen die Filme ja ein paar Tage früher raus. Eigentlich schreiben Leute aus aller Welt. Ich krieg‘ auch Postkarten aus aller Welt, was total geil ist. Irgendwo gibt es immer ein paar Deutsche. Aber natürlich entfallen ca. 95 Prozent meiner User auf den deutschsprachigen Raum in Europa.

Aber es verteilt sich über den gesamten Raum, es gibt keinen Lokalvorteil mit Konzentration auf Berlin?
Nein, überhaupt nicht. Das ist wirklich überall gleich. Lokalvorteil gibt es vielleicht wirklich, wenn du mit Dialekt sprichst. Dann mag das sein. Wenn du Hochdeutsch sprichst eher nicht. Auf meinem Hauptkanal ist ja im Grunde gar nicht zu entlarven, dass ich Berliner bin. Das erzähle ich immer nur auf meinem Zweitkanl. Nö, allet janz Deutschland.

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Wie lange dauert es eigentlich, bis ein Film es vom Kino in eines deiner Videos geschafft hat?
Naja, vorgestern war ich zum Beispiel auf der Premiere von „Chroniken der Unterwelt“. Da war hier in Berlin die Europapremiere. Und während wir hier sitzen, geht um 15 Uhr gerade das Video online. Also manchmal vierundzwanzig Stunden, manchmal achtundvierzig Stunden. Manchmal gibt es auch eine Pressesperre, das heißt Sony Pictures oder Warner sagt dann, dass man über den Film erst in drei Wochen berichten darf. Dann gibt es auch erst die Kritik in drei Wochen. Aber ansonsten geht das alles ganz, ganz schnell. Meistens innerhalb eines Tages.

Du scriptest auch nicht oder?
Nee, dafür bin ich viel zu faul. (lacht) Aber wenn du wüsstest wie viele – auch große – Youtuber fast jedes Wort schreiben, von dem, was sie sagen, haha… Das ist eines der wenigen Dinge, die ich kann: am Stück reden, ohne „äh“ und „ähm“ zu sagen. Und ich finde, das ist ein totaler Vorteil. In YouTube rettet sich fast jeder über den Schnitt. Gag – Schnitt – ha – Schnitt – Hallo Leute! – Schnitt. Und du denkst so: „Krass Alter, hundert Schnitte!“. Das ist mir viel zu anstrengend. Ich könnte auch gar nicht so viele Videos machen, wenn ich derart viel schneiden würde.
Bei mir hängt nur ein Zettel, wo drauf steht, wie der Film heißt, FSK, Schauspieler… Wirklich nur die Eckpunkte und zwei, drei Notizen, die ich sagen will. Im Grunde ist es dann immer Freestyle – einfach in die Kamera gucken und vier Minuten am Stück aufnehmen. Manchmal kommt dabei auch richtig Nonsens raus, aber das merke ich nicht, weil ich mir die Videos nie wieder selbst anschaue. (lacht) Ich schneide immer nur Anfang und Ende weg, setze die Endcard ein und den Trailer dazwischen. Ich kontrolliere das nicht mehr. Sonst zerbrichst du dir nur unnötig den Kopf. Kann man das jetzt so sagen? Darf man sagen: „Till Schweiger ist ein Arsch“? Ich denk‘ da lieber gar nicht erst drüber nach. Also nee, kein Scripten.

Was hältst du von anderen Youtubern generell?
Ich guck selber halt bloß so unglaublich wenig YouTube. Das ist mein Problem. Ich muss immer sagen, „Ah, du hast 300.000 Abonennten und… was machst du so?“. (lacht) Also ich sehe sie immer mal wieder und eigentlich gibt’s keinen, den ich nicht mag. Wen ich zum Beispiel unbedingt mag, ist David von GIGA. Super. Mit dem werd‘ ich auch viel, viel mehr machen. Oder die Leute bei Trigger. Aber ich hab auch so schon viele nette Youtuber getroffen, quer durch Deutschland. Übermorgen bin ich auf dem Videoday, da werden ja auch wieder fast alle da sein.

Lass uns mal über deinen Zweitkanal reden: RoBSNToWN. Den betreibst du ja mehr als Hobby nebenbei. Oder willst du den in Zukunft auch größer aufbauen?
Ja, da gibt’s einen Zweitkanal. Mittlerweile schon fast ein Jahr lang, glaube ich. Und ja, das ist just for fun. Manchmal wird’s auch schwierig regelmäßig Videos machen, weil DVDKritik immer größer wird. Das ist eigentlich echt schade. Mich hat’s genervt, immer nur Filmkritik zu machen. Ich wollte, dass die Leute ein bisschen mehr über die Person dahinter erfahren – ohne zu privat zu sein. Deshalb dachte ich: „Okay, machste so ’nen Zweitkanal und packst da allen möglichen Kram, der nicht zu DVDKritik passt, rein. Dabei ist mir wirklich wichtig, dass es authentisch und ehrlich ist. Manche Leute mögen’s, andere nicht. Ich will, dass die Leute sehen, dass da auch ein richtiger Mensch dahinter steht. Und das ist keiner mit drei anderen und tausend Schnitten und Scripts und blablabla dahinter, sondern einer, der einfach nur sagt: „Ick liebe Berlin und mach‘ Videos auf Youtube. Wie geht’s euch so?“. So. Ganz einfach.

Hast du konkrete Zukunftspläne für DVDKritik?
Ach, ich glaub‘ das bringt nix. Egal wie du planst, es kommt immer anders. Ich versuche halt DVDKritik noch mehr in Richtung Zuschauer auszubauen. Bald wird’s eventuell eine zusätzliche Internetseite geben, mit dem Vorteil, dass du meinetwegen die Kinocharts hast und mit einem Klick gleich den Trailer-Check oder die Filmkritik dazu aufrufen kannst. Du hast oben die neuesten News, zum Beispiel „Nächster ‚Man Of Steel‘-Teil mit Batman; Gerücht: Ryan Gosling soll Batman spielen“. Es soll so eine Art Suchregler geben, um bei über tausendeinhundert Videos nicht den Überblick zu verlieren. Und man soll nicht permanent mit Werbung vollgespammt werden. Ich glaube, sowas macht Sinn für DVDKritik und bin gerade dabei, das mit Partnern zu realisieren. Das Wichtigste ist, dass für die Zuschauer was dabei rumkommt.
Eine andere Sache, die ich plane, ist, zu einem Film eine exklusive Preview zu machen. Das heißt ich plus dreihundert oder vierhundert Zuschauer in einem Film. Eine Filmpremiere, aber nicht mit Stars und Models und ich-weiß-nicht-wem, sondern für richtige Leute, die den Film vor allen anderen sehen können. Das fände ich cool. Ob das alles so klappt, weiß ich nicht, aber ich habe zum Beispiel 20th Century Fox an der Hand, die Bock drauf haben (die erste Veranstaltung dieser Art fand inzwischen bereits statt; Anm.d.Red.).
Ich versuche einfach, es den Leuten immer noch geiler zu machen.

Also das Ganze öffnen, aber nicht ganz von YouTube weggehen.
Nein, YouTube ist die größte Bühne, auf YouTube finden dich viele neue Leute und YouTube hat das auch alles erst ermöglicht. Deswegen wird das für mich auch immer so das Hauptding bleiben.

Was wäre, wenn du jetzt zum Beispiel ein Angebot von einem Fernsehsender bekommen würdest?
Das wäre dann wahrscheinlich wiederum eine eigene Sendung. Vor einem Jahr, haben sie tatsächlich schon versucht, mich für „Steve liebt Kino“ abzuwerben. Dieses Format läuft, glaube ich, auf Tele5 und jetzt nachts auf ProSieben. Da hab ich aber gesagt: „Nee!“

Also willst du dich schon auf YouTube konzentrieren?
Ja. Und vor allem: Ich liebe es auch vor der Kamera zu sein. Jeder, der sich irgendwie vor eine Kamera setzt, hat so ein gewisses Geltungsbedürfnis. Auch ich. Vielleicht nicht ganz so krass, wie manch anderer… wo ich manchmal das Gefühl hab‘ auf YouTube… die irgendwie voll am Rad drehen und den ganzen Tag twittern, wie geil ihre Fans sind und so… ich weiß nicht.
Aber nee, es soll schon YouTube bleiben. Das ist auch die Zukunft. Dieser Internet-On-Demand-Market wächst derart stark… Man muss es auch immer trennen. Das eine ist immer das ganze Wirtschaftliche. Wie sehr lohnt sich etwas? Aber dieser finanzielle Aspekt interessiert mich eigentlich nie primär, sondern erstmal ist wichtig, dass du – und das darfst du nie verlieren – die Sache liebst. Von da aus kannst du dann alles planen. So lange du die Sache liebst, is allet super.

Foto: Markus Fichtl