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Analoge Fotografie – Crashkurs für Einsteiger in die Welt des 35-mm-Films

Vielleicht hast du bei deiner letzten Familienfeier alte Fotoalben durchstöbert oder hast dich gefragt, ob die alte Kamera, die du bei deinem letzten Flohmarktbesuch gesehen hast, überhaupt noch funktionsfähig ist. Wenn dich der Hauch von Nostalgie angesteckt hat und du dir überlegst, in die analoge Fotografie reinzuschnuppern, bekommst du mit diesem Artikel die Basics, die du brauchst, um selbst in der analogen Fotografie durchzustarten.

1. Alles beginnt mit der richtigen Kamera

Analogkameras sind leichter zu finden, als es im ersten Moment scheint. Obwohl wir Studenten ja bekanntermaßen oft knapp bei Kasse sind, ist das kein Grund von vornherein aufzugeben. Frag doch einfach deine Eltern, Großeltern oder ältere Bekannte, ob bei ihnen eine analoge Kamera auf dem Dachboden verstaubt. Diese Kameras wurden für die Ewigkeit gebaut, deshalb ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass dein Fundstück noch in einwandfreiem Zustand ist. Ein weiterer Anhaltspunkt für Filmkameras sind Flohmärkte, denn die Standbesitzer wissen oft nicht um die Schätze und bieten sie preisgünstig an. Außerdem findet man analoge Kameras auf eBay, wobei diese meist nicht ganz günstig sind und man sich beim Kauf kein konkretes Bild vom Zustand der Kamera machen kann. Auch im Laden sind die Kameras noch erhältlich, zum Beispiel bei Kaps hier in Passau oder auch bei Photo Lang in Salzweg.

Es gibt grundsätzlich 3 Kleinbildkameratypen:

Kompaktkamera (Point-and-shoot): Wie der englische Name schon impliziert, handelt es sich hierbei um eine Kamera, die sich durch ihre Vollautomatik auszeichnet und sich hervorragend für Schnappschüsse eignet.

(Mess-)Sucherkamera (Rangefinder camera): Diese Kamera hat einen farbigen Punkt im Sucher, der später das Objekt fokussiert, auf welches er zeigt. Das Bild erscheint zunächst unscharf und doppelt, durch manuelle Fokussierung am Objektiv wird das Bild allerdings deckungsgleich und scharf.

Spiegelreflexkamera (SLR): Die Vorgängerin der heutzutage weit verbreiteten DSLR-Kamera eignet sich mit der Vielzahl ihrer Funktionen hervorragend, um dich mit ihr auszutoben. Im Vergleich zur Kompaktkamera, die oft keine so hohe Fotoqualität hat, bekommst du mit einer Spiegelreflexkamera gestochen scharfe Bilder. Da manche Einstellungen nur manuell zu tätigen sind, musst du dir aber auch mehr Zeit lassen bevor du den Auslöser drückst. Grundsätzlich hängt aber alles von der Kamera ab, für die du dich entscheidest.

Ich benutze eine Minolta X700: Eine Spiegelreflexkamera aus den frühen 80er Jahren mit manuellem Fokus

 

2. Die Qual der Wahl beim Film

Falls du dich gefragt hast, warum Bilder, die mit analogen Kameras geschossen wurden, nicht ganz farbecht sind, liegt das am Film. Seine Farbgebung unterscheidet sich von Marke zu Marke (z.B.: Kodak, Fujifilm) und Filmtyp, als auch Emulsion (z.B. Kodak Gold, Kodak Portra). Man kann ihn fast mit der Filterfunktion deines Smartphones vergleichen.

Die 3 Filmtypen:

Schwarz-Weiß-Negativfilm

Farbnegativfilm

Farbpositivfilm (Auch Umkehr- oder Diafilme genannt)

Kleiner Fakt am Rande, falls du dich fragst, was der Unterschied zwischen Negativ- und Positivfilmen ist: Sie werden mit verschiedenen Chemikalien entwickelt. Ein Negativfilm weist nach seiner Entwicklung Grauwerte und Farben in den umgekehrten Tonwerten auf. Die Abzüge der Fotos erscheinen dann in den richtigen Farbtönen. Bei Farbpositivfilmen entstehen Positive, bei denen die Töne unmittelbar stimmen. Diese werden gerahmt und können dann als Dias in einem Projektor eingelegt werden.

Das magische Dreieck der Fotografie

Die ISO signalisiert die Lichtempfindlichkeit deines Films. Ein Film mit einer höheren ISO (z.B. ISO 800) eignet sich besser für schlechtere Lichtverhältnisse, beispielsweise in Räumen oder bei Dämmerung. Mit einem Film mit niedrigerer ISO (z.B. ISO 100) bekommst du die besten Ergebnisse bei hellem Tageslicht. Also: Je höher die ISO, desto empfindlicher ist dein Film und damit braucht er weniger vorhandenes Licht.
Mit zunehmender ISO verändert sich auch deine Bildqualität, da die Bilder dadurch immer grobkörniger werden und „rauschen“. Ein Film mit niedriger ISO produziert dagegen detailgenauere Bilder. Wenn du dir im Vorhinein nicht sicher bist, unter welchen Lichtverhältnissen du fotografieren wirst, nimmst du besser dafür am besten einen Film mit ISO von 200 oder 400. (Nicht vergessen: Wenn du deinen Film wechselst, überprüfe ob du die richtige ISO-Zahl auf deiner Kamera eingestellt hast!)

Nachdem du deinen Film eingelegt hast, hast du jetzt 24-36 Bilder pro Filmrolle zur Verfügung. Um wie viele es sich handelt, findest du auf der Verpackung deines Films. Oft kann es sein, dass du doch ein paar mehr Bilder mit einem Film schießen kannst, als der Zähler auf der Kamera es dir anzeigt. Spule also immer bis zum Anschlag nach, damit du nicht Gefahr läufst, Film zu verschwenden.

Nun musst du noch auf zwei weitere Dinge achten, bevor du dein Bild machst: Blende und Belichtungszeit

Die Blende oder auch ‚Aperture‘ beeinflusst die Lichtmenge, die durch die Linse fällt. Sie bestimmt die Schärfentiefe deines Bildes, also ob der Hintergrund stark verschwommen ist, wie bei einem Porträt, oder sehr scharf, wie bei einer Landschaftsaufnahme. Verstellen lässt sich die Blende vorne an deinem Objektiv. Konträr zu der Größe der Blende verringert sich die Zahl, die die Blendeneinstellung (= f) signalisiert. Das mag anfangs verwirrend klingen, man gewöhnt sich jedoch daran.

Prinzipiell gilt:

Die Belichtungszeit beeinflusst die Lichtmenge, die durch die Kontrolle der Blende, in die Kamera gelangt. Außerdem ist sie bei dem Einfangen von Bewegung sehr wichtig, denn bei einer kurzen Belichtungszeit kannst du dynamische Motive scharf ablichten. Da die meisten Kameras eine automatische Einstellung für die Belichtungszeit haben, muss man sich hier eigentlich keine Sorgen machen.

Am linken Rad verstellst du die ISO (in diesem Fall befindet sie sich bei 200); Vorne am Objektiv verstellst du die Blende (in diesem Fall befindet sie sich bei f 5); Am rechten Rad verstellst du die Belichtungszeit (in diesem Fall auf A, also Zeitautomatik)

Aber jetzt erstmal genug zum Technischen, denn probieren geht schließlich über studieren!

 

3. Das Entwickeln

Nachdem du mit deiner Rolle Film fertig bist, hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du lässt sie von einem Labor entwickeln, oder du entwickelst deinen Film selbst. An der Universität Passau gibt es ein Fotolabor, in dem man seinen Film nach einer Einführung selbst entwickeln darf. Wenn du dich für den Anfang gegen das Entwickeln entscheidest, kannst du den Film in einem Fotoeinzelhandelsgeschäft abgeben, der ihn für dich an eines dieser Labore weiterleitet. Aber auch Drogeriemärkte, wie DM und Rossmann bieten solche Dienste an. Bis du deinen Film wieder zurückbekommst kann es ca. bis zu 2 Wochen dauern, dafür freust du dich umso mehr auf die Ergebnisse.

Für ein bisschen Inspiration sorgen mit Sicherheit folgende Instagram Accounts:

@leicalosers @shootfilmmag @waynelevinimages @ihoworth

und auch die Hashtags:

#ishootfilm, #filmisnotdead, #filmshooterscollective

Ich persönlich bin Meilen davon entfernt eine professionelle Fotografin zu sein, aber ich möchte mit diesem kurzen Artikel den Einstieg in die analoge Fotografie erleichtern und damit die Angst vor der Filmfotografie nehmen. Das Warten auf die entwickelten Bilder ist es jedes Mal wieder wert, denn das Ergebnis, obwohl es manchmal ein klein wenig schief geht, hat dadurch einen ganz persönlichen Charakter. In diesem Sinne wünsche ich fröhliches Ausprobieren!

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