The Whiskey Foundation im Zauberberg – eine Kritik

„Ich glaube, heute wird’s nicht gut“, meint der Leadsänger Murat Kaydirma kurz vor dem Auftritt.

Es mag töricht erscheinen mit solch einer Einstellung auf die Bühne zu gehen. Vielleicht ist es aber auch eine kluge Vorsichtsmaßnahme, falls das Konzert den Erwartungen nicht gerecht wird. Immerhin das Publikum ist mit einer optimistischeren Einstellung zu dem Konzert von „The Whiskey Foundation“ gekommen.

Montagabend 20.00 Uhr im Zauberberg Passau. Nach und nach trudeln die verschiedensten Musikliebhaber ein, eine bunte Mischung aus Jung und Alt. Schlappe sechs Euro verlangen sie von den Studenten, dreizehn Euro sind es für die Geldverdiener. In Zeiten von Spotify und Co, in denen man sein Monatsbedürfnis an Musik für so wenig Geld wie noch nie abdeckt, mag das viel sein, aber für eine fast zweistündige Zeitreise zurück in die 60er ist das sehr erschwinglich.

Das Bier fließt in Strömen, die Vorband „The Sonic Brewery“ startet mit einem groovigen Sound ins Genre Blues Rock, die vier Jungs machen Lust auf mehr. Mehr kommt dann auch, allerdings erst kurz vor 22.00 Uhr, und in Gestalt von fünf bärtigen Männern. „The Whiskey Foundation“ heizt mit ihren rauchigen Songs ordentlich ein. Verraucht im wahrsten Sinne des Wortes, es vergeht kaum ein Lied, ohne dass sich einer der Jungs eine Kippe zwischen die Lippen klemmt oder genüsslich eine dreht. Julian Frohwein spielt sich derweil am Piano zu „Free my mind“ seine Seele aus dem Leib – selbst die Hammond- Orgel Legende Ray Manzarec (The Doors) wäre davon sicher beeindruckt.

http://  http://

Den eher dürftig gefüllten Raum haben die Jungs sich selbst zu verdanken; aufgrund von Krankheit musste das Konzert, welches ursprünglich für den 29.11. geplant war, auf einen Termin knappe drei Wochen später verlegt werden. Wer sich aber an diesem nasskalten Montagabend aufraffen konnte, wurde mit rauen Sounds, gut gelaunten Musikern und einem tanzwütigen Publikum, belohnt. Eine entspannte Wohnzimmer-Atmosphäre und Musik zum Anfassen.

Die „Scheiß-drauf-Einstellung“ der 60er Jahre habe ihnen gut gefallen, sagen die Jungs. Das sieht man auch. Bassist Franz Klein macht es sich gemütlich auf der Bühne, Schuhe aus, karierte Pyjamahose an, Zigarette im Mundwinkel, seine Finger gleiten über die Saiten wie im Schlaf.
Auch sonst scheint die Münchner Truppe eher lässig-leger drauf und einer üppigen Haarpracht verfallen zu sein. „Hairway to Heaven“ ist hier die Devise.
Dem Gitarristen Pascal Fischer möchte man am liebsten eine Packung Haargummis zuwerfen, um wenigstens einmal hinter seinen Vorhang aus Haaren blicken zu können. Der Kopf des Lead Sänger Murat ist scheinbar am liebsten in wilder und rhythmischer Bewegung: Schulterlang, gelockt und schwarz hüpfen die Strähnen auf und ab, das Publikum sieht mehr Haare als Gesicht. Dieser Frisurentrend gehört anscheinend dazu, um das Lebensgefühl der 60er und 70er Jahre stilgetreu verkörpern zu können.

Alle fünf Musiker sind Meister ihrer Instrumente, dazu klingt Murat Kaydirmas Stimme, als wäre er mit einer Kippe im Mund geboren. Mit seiner tiefen und voluminösen Reibeisenstimme entführt er in eine andere Welt. Eine Welt, in der Musik noch handgemacht, ehrlich und echt ist. Man schwelgt in den Klängen von vor 50 Jahren, die Hammond Orgel erinnert stark an „The Doors“, die Gitarrensolis an „The Black Keys“. Dabei betonen sie, sie hätten sich diese Stempel nicht selbst aufgedrückt.

Das neue Album heißt „Blues and Bliss“ und Bliss – Glückseligkeit ist es auch wahrlich.
Technisch und auch stilistisch unterscheidet sich das dritte Album von den beiden anderen, mehr Blues, der Ottis Reeding imponieren würde, mehr musikalisch anspruchsvolle Songs, denen deutlich zu wenig Beachtung geschenkt wird.
Die Lieder klingen wunderbar bekannt und doch neu und anders. Ihr Stil hat sich über die Jahre hinweg verändert, geht jetzt mehr in die Richtung Blues und Psydelic Rock, ist aber auch funkiger geworden „ Funk the Boogie“.

Die Herkunft der Jungs würde man niemals in München, sondern viel mehr in den staubigen Weiten Nevadas in einer zwielichtigen Bar vermuten. So sehen sie zumindest aus.
Im Interview erinnern sich die  fünf Jungs an ihre Anfänge, 2011 trafen sich die Musiker in München auf der Straße und beschlossen nach einer Flasche Whiskey und einer Jam Session die Welt mit besserer Musik zu beschenken. Mit diesem besagten guten Tropfen hatten sie sich auf den Namen „the Whiskey Foundation“ getauft. Heute beschreiben sie sich als eine Patchworkfamilie.
Fünf  Männer, sechs Touren, sieben Jahre.

„Wir werden von Tag zu Tag schlechter“, meint der Pianist, unter dessen Wuschelkopf sich ordentlich viel Talent versteckt, im Interview. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie nehmen die Jungs ihre Musik auf die leichte Schulter. Um ihren Lebensunterhalt zu erspielen, sind sie zu unbekannt. Obwohl sie Musiklegenden wie AC/DC, auch liebevoll ADAC genannt, oder Deep Purple als Vorband gedient haben, hat es The Whiskey Foundation nie zu großem Ruhm gebracht. Doch die Münchner behaupten, sie spielen genauso gerne vor 50 wie vor 80.000 Leuten. Heimspiele seien immer etwas Besonders, sagt Gitarrist Janis Gursky.
Auch im fast heimischen Passau ist das zu spüren.
Nach gut eineinhalb Stunden ist die musikalische Whiskeyverkostung vorbei, der kraftvolle Sound ist verinnerlicht – nicht weiter verwunderlich, wenn doch viele Songs ähnlich klingen. Die Jungs wünschen „Peace, love and respect for everyone“ und laden noch zu einem Absacker Whiskey ein.

Ein Sprichwort besagt „über Musik zu schreiben ist wie zu Architektur zu tanzen“. Also überzeugt euch selbst und hört euch die Jungs an.
Am besten live und mit einer Flasche Whiskey.

Fotos: Ronja Kötzer

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.