Zum kommenden Wintersemester 2017/2018 startet ein neuer Bachelorstudiengang an der Universität Passau. Der heißt Journalistik und Strategische Kommunikation oder kurz JoKo. Der Studiengang ist zulassungsbeschränkt. Im ersten Semester erhielten nur 50 Studierende einen Platz.

Ausbildung in den Bereichen Journalismus und Public Relations ist an der Universität Passau kein Novum.  Bisher sind diese Bereiche Teil des Studiengangs Medien und Kommunikation (MuK). Die bisher gültige Studienordnung, also der Plan nach dem das MuK-Studium organisiert ist, wurde ebenfalls zum Wintersemester reformiert. Die alte Studienordnung stammte noch aus dem Jahr 2010.

De facto bedeutet diese Reform aber eine völlig Neuausrichtung des alten Medienstudiengangs. Alleinstellungsmerkmal von MuK war bisher die praxisnahe Ausbildung. Ziel war ein durchaus wissenschaftliches, theoriegeleitetes Universitätsstudiums, das aber gleichzeitig genug praktische Kompetenzen vermittelt, um den Bedingungen einer sich wandelnden Mediengesellschaft gerecht zu werden. Stichwort Employability. Zu diesem Zweck wurde 2013 ein hochmodernes Medienausbildungszentrum an der Universität eröffnet, das Zentrum für Medien und Kommunikation (ZMK). Diesen Praxisanteil verliert MuK nun an JoKo.

Ein Zentrum ohne Medien und Kommunikation

MuK-Studierende wird man im Zentrum für Medien und Kommunikation immer seltener sehen. Die Universität garantiert allerdings allen Studierenden, die spätestens im vergangenen Sommersemester ein MuK-Studium aufgenommen haben, eine optimale Betreuung bis zum Ende ihrer Studienzeit.

Das alte MuK verfolgte einen interdisziplinären Ansatz. Studierende konnten ihre Schwerpunkte selbst wählen. JoKo hingegen setzt auf ein anderes Modell. Zukünftige JoKo Studierende können Veranstaltungen aus zwei möglichen Kategorien wählen. Die Pflichtmodule sind, wie der Name schon sagt, Pflicht und müssen im Laufe des Studiums absolviert werden. MuK beinhaltete bisher nur einen sehr kleinen Pflichtanteil, die restlichen Studienleistungen konnten Studierende in Bereichen, wie Medienpädagogik, Kulturwissenschaftliche Medialitätsforschung, Medienlinguistik oder eben Journalismus erwerben.

Nicht nur wissen, wie man schreibt, sondern auch worüber.

Neben dem Pflichtbereich müssen sich JoKo-Studierende zukünftig für einen sogenannten Wahlpflichtbereich entscheiden. Dabei handelt es sich schlicht um eines von mehreren wählbaren Nebenfächern.  Dieses Nebenfach macht dann etwa ein Drittel des gesamten Studiums aus. Das soll konkretes Fachwissen vermitteln und  den Einstieg in die Medienberufe erleichtern. Zur Auswahl stehen verschiedenste Fächer, wie Volkswirtschaftslehre, Kunstgeschichte oder Katholische Theologie.

Experten statt Allrounder

Employability soll nach wie vor eine Rolle spielen. Allerding betont Professor Ralf Hohlfeld, Leiter des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft an der Universität, auch die Notwendigkeit Fachwissenschaftler auszubilden: „Wir sind verpflichtet unser Fach zu stärken. Vor dieser Aufgabe dürfen wir nicht kapitulieren.“ Ein Kommunikationswissenschaftler, dessen Bachelorstudium nur zu einem Drittel aus Kommunikationswissenschaft bestehe, sei in der akademischen Welt nicht konkurrenzfähig, so Hohlfeld. Außerdem fördere ein Neuanfang mit einer kleinen Studierendenzahl immer auch die Qualität der Lehre. „Die Kapazitäten des ZMK lassen nicht mehr als 50 Studierende in einem JoKo-Semester zu“, unterstreicht der Lehrstuhlinhaber.

 

Aus Eins mach Zwei

Künftig wird es also zwei Medienstudiengänge an der Universität Passau geben. JoKo soll sowohl die Bereiche Journalismus und PR stärker praktisch fördern, als auch zu einer  fachspezifischen Ausbildung zurückkehren, weg von der interdisziplinären MuK-Philosophie. Der reformierte Studiengang Medien und Kommunikation wird stärker medienwissenschaftlich ausgerichtet sein. Ob sich beide Konzepte bewähren oder keines davon, wird sich erst zeigen, wenn die kommenden Erstsemester ihre jeweiligen Abschlüsse gemacht haben.

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