Mit Akteuren aus neun verschiedenen Nationen hat die Asyl – Theatergruppe „die Überlebenden“ am Freitag, den 17. Juni, im Rahmen der Politiktage an der Uni Passau beeindruckt. Die Gruppe der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg – bestehend aus Studierenden und Flüchtlingen – trifft sich einmal pro Woche zum Proben und versucht so, Kenntnisse über andere Kulturen zu verbreiten und Integration zu ermöglichen.

Ihr Stück „Heimatlos“ ist eine Collage aus verschiedenen Szenen, die die Gefühle und Erlebnisse von Flüchtlingen oder Migranten, die nach Deutschland kommen, widerspiegeln. Jede Szene leitete Frau Gimenez aus Peru mit einem passenden Zitat ein.

Nach einer kurzen tänzerischen Einlage wurde der Weg der Flüchtlinge nach Deutschland oder zunächst allgemein nach Europa aufgezeigt, beginnend mit der Geldübergabe an einen Schlepper, weiter über die von Strapazen und Angst geprägte Fahrt in einem Transporter.

Dies war eine sehr eindrucksvolle Szene, da das Audimax plötzlich dunkel wurde und die Flüchtlinge sich mit Taschenlampen ihren Weg durchbahnten.

In Deutschland angekommen, sind die Geflüchteten zunächst sehr euphorisch und freuen sich. Allerdings erweist es sich schwerer als gedacht, eine passende Unterkunft zu finden. Schon stehen die Flüchtlinge vor einem der größten Probleme: Der Sprachbarriere.

“ vier eigene Wände machen Menschen frei“ – persisches Sprichwort.

Das war der Auftakt für die nächste Szene, in der es darum ging, dass eine geflüchtete Frau sich bei der Flüchtlingsunterkunft beschweren möchte, dass ihre Tochter in der Nacht nicht schlafen könne, da immer Betrunkene lärmen. Allerdings kann sie sich nicht artikulieren, da sie der deutschen Sprache noch nicht mächtig ist. So wird sie also wieder weg geschickt.

“ Das Leben ist zu kurz, um deutsch zu lernen“ – Oscar Wilde.

In dieser Szene wurde auf sehr amüsante Weise dargelegt, wie schwer es ist Deutsch zu lernen und zu welchen Missverständnissen es dabei kommen kann. Beispielsweise beklagt sich eine Geflüchtete beim Arzt über anhaltende „Buchschmerzen“, einem anderen „läuft die Hase“.

Anschließend kam wieder die Frau mit ihrer Beschwerde über den nächtlichen Lärm, jetzt allerdings mit fließendem Deutsch. Darauf aber reagierte der Leiter der Flüchtlingsunterkunft – gespielt vom einzigen Deutschen in der Theatergruppe – nur sehr scharf und gereizt: „Deutschland ist voll!“

„Zuhause ist, wo das Herz Heimat findet“- Fred Ammon

Die nächste Szene handelte von einer Frau, die auf der Suche nach einem Zimmer ist. Auf Nachfrage teilt man ihr zunächst mit, dass eines frei wäre. Als sich dann jedoch herausstellt, dass sie aus dem Irak ist und nur eine dreimonatige Aufenthaltsgenehmigung hat, wird ihre Anfrage abgelehnt. Glücklicherweise kommt ihr aber eine Bekannte mit den Worten „Ich kann für sie bürgen“ zur Hilfe. Schließlich bekommt sie das Zimmer.

„Urteile niemals über Personen, die in einer Situation sind, in der du niemals warst.“ – anonym

In dieser Szene ging es darum, dass eine Migrantin, die schon sehr gut integriert ist, sich mit einem deutschen Freund trifft. Sie bringt eine Freundin mit, die erst seit kurzem in Deutschland ist und deswegen noch nicht mit der Sprache vertraut ist. Außerdem trägt sie ein Kopftuch.

Der Deutsche möchte sich ihr nicht vorstellen und ist ihr gegenüber sehr abweisend, nennt sie „eine dieser Kopftuchträgerinnen“ . Als erwähnt wird, dass diese auch noch fünf Kinder hat, reagiert der Deutsche sehr gereizt und wirft ihr Vorurteile an den Kopf.

„Das Wort zu führen ist zwar richtig, doch zuhören… ist genau so wichtig.“ – Oskar Stock

Während der nächsten Szene wurde kein einziges Wort gesprochen. Es kam eine Frau mit Sonnenbrille auf die Bühne, diese trug ein Schild mit dem Wort „Regierung“. Um sie herum plazierten sich weitere Akteure mit den Schildern „Wohnung“, „Arbeit“, „(Aus)bildung“ und „Aufenthalt“. Eine weitere Frau – sie stellte eine Geflüchtete dar – war an die „Regierung“ gekettet, und versuchte zu den anderen Akteuren, also an eine Wohnung und an eine Arbeit zu gelangen, scheiterte aber kläglich, da sie immer wieder von der Regierung „zurückgezogen“ wurde.

Ich bin der Meinung, dass diese Szene zeigen sollte wie aufwändig und schwierig die Integration sein kann.
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Abgerundet wurde das Theater mit den Worten von Frau Gimenez, indem sie sagte, dass es mit der Integration wie mit einem Puzzle sei. Am Anfang habe man viele Einzelteile und es brauche viel Zeit und Geduld bis man letztendlich das Puzzle vollendet hat.
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Die Akteure hatten dafür auch ein Puzzle vorbereitet, das im Laufe des Stücks immer weiter vervollständigt wurde. Am Ende jedoch fehlte das Herz.

Abschließend stellten sich alle Akteure vor. Hier noch einmal die neun verschiedenen Nationen:
Afghanistan, Äthiopien, Bolivien, Deutschland, Irak, Iran, Ukraine, Somalia und Syrien.

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Das Stück machte bewusst, dass das Leben in einer Flüchtlingsunterkunft definitiv kein Zuckerschlecken ist, aber auch wie befremdlich es ist, in ein Land zu kommen, dessen Sprache man nicht mächtig ist. Dies wurde in einer Szene deutlich gemacht in der die Zuschauer plötzlich nur Bahnhof verstanden, da sie plötzlich Teilnehmer eines Arabisch Kurses waren.

Es war ein sehr eindrucksvolles Theaterstück, und das obwohl wenig gesprochen wurde. Aber die erzeugte Stimmung überzeugte voll und ganz. „Heimatlos“ regt auf jeden Fall sehr zum Denken an, und ich kann die Asyltheatergruppe nur wärmstens empfehlen.

Über den Autor

"irgendwas mit Medien..." - ja, das war auch meine Vorstellung bezüglich Studium. Gelandet bin ich also hier, an der Uni Passau. Neben meinem Studium- Malen und Klatschen- hab ich eine Leidenschaft für Reisen, Sport und meine Freunde.

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