Mit „Das Ende ist erst der Anfang“ zeigt das Passauer Kino einen unkonventionellen Film in der Sneak Preview. Das kann gut gehen – tut es aber nicht.

 

Passau. Eine Sneak Preview im Kino ist eine feine Sache. Für ein verringertes Eintrittsgeld sehen die Besucher einen Film, dessen reguläre Premiere meist erst einige Wochen später stattfindet. Der Haken dabei: Um welchen Film es sich handelt, erfährt man erst, wenn es losgeht, man investiert also blind. Auch die Passauer Studentenschaft erfreut sich häufig an der Möglichkeit, jeden Montag um 20:15 Uhr im Cineplex einen Film vor allen anderen sehen zu können. Die 4,80 Euro Eintritt sind für die sparsamen Studenten auch eher zu verkraften als die üblichen, durchaus kostenintensiven Kinopreise, die sich ungefähr auf das Doppelte belaufen. Wer knappe 10 Euro pro Maß Bier auf der Dult lässt muss eben an anderer Stelle sparen.

Für den kleinen Preis flimmerten in der Passauer Sneak Preview also schon Kassenschlager wie „Hacksaw Ridge“, „Arrival“ und „Get Out“ über die Leinwand. Dass der blinde Kinobesuch aber auch seine Tücken haben kann, mussten die Besucher des Kinosaals 2 am 08.05. feststellen. Statt preisgekrönter Hollywood-Epik erwartete sie ein besonderes filmisches Machwerk: Die franko-belgische Drama-Komödie „Das Ende ist erst der Anfang“. Was genau die im Titel erwähnten „Ende“ und „Anfang“ sind, wird während des gesamten Filmes nicht so ganz klar, denn während man den in die Jahre gekommenen, dauergriesgrämigen Auftragsschlägern Gilou und Cochise auf ihren ewig anmutenden Pickup-Fahrten durch eine geografisch nicht näher eingegrenzte Einöde folgt, ist das einzige Ende an das man denken, und auf das man hoffen will, das des Films. Auf ihrer Jagd nach dem Handy ihres Auftragsgebers trifft das niemals lachende Duo auf die geistig verwirrten Esther und Willy, ein Pärchen das fest davon überzeugt ist, dass die Welt demnächst untergehen wird und das seine letzten Tage nutzen will, um Esthers Tochter zu finden. Als dann noch Jesus oder ein Mann der vorgibt Jesus zu sein auftaucht, driftet der Film endgültig, aber wohl unbeabsichtigt, ab ins Komödiantische.

Pseudo-Cowboys und Hobbyphilosophen: Gilou und Cochise

Bouli Lanners, Albert Dupontel © Kris Dewitte

Dass die gefühlt minutenlangen Panoramaaufnahmen von grauen Straßen mit grauen Häusern vor einem grauen Himmel, die floskelhaften Dialoge, die selten mehr als 5 oder 6 Sätze umfassen oder die unfreiwillig lächerlichen Szenen, wie ein plötzlich auftauchender Hirsch, den Cochise aus nächster Nähe erschießen muss, das Spannungslevel der Zuschauer nicht unbedingt positiv beeinflussen, ist nur folgerichtig. Tatsächlich entwickelt die Atmosphäre im Kinosaal eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zu einer Vorlesung. Die einen unterhalten sich, die anderen lachen immer wieder laut auf. Hier und da leuchtet ein Handy auf, ein paar gehen früher, während das, was vorne geredet wird, keinen mehr interessiert, weil man das Gefühl hat, dass es eh keiner versteht. Die religiös-metaphysischen Anspielungen sowie die plumpe Zusammenführung der Handlungsstränge sollen am Ende wohl ein erleuchtetes Aha zur Folge haben, tatsächlich begegnet man dem Filmende allerdings nur mit Gleichgültigkeit oder sogar Erleichterung. Alles in allem lässt sich sagen, dass Regisseur Bouli Lanners (der auch in die Rolle des Gilou schlüpft) einen Film gedreht hat, der selbst nicht genau zu wissen scheint, was er eigentlich ist. Für eine Komödie fehlt der Humor, für ein Drama der Tiefgang. Am ehesten könnte man wohl von einem genrekritischen Neo-Western aus der Provinz sprechen, doch die intellektuelle Komponente des Films scheitert an der oberflächlichen Dialoggestaltung und dem müden Schauspiel seiner Protagonisten. Nur einmal kommt Flair auf, als Altstar Max von Sydow (u.a. bekannt aus Game of Thrones) in einem kurzen Gastauftritt als verschrobener Bestatter eine nachdenkliche Grabrede für einen verstorbenen Obdachlosen hält, doch auch diese Szene endet mit einer schwach inszenierten Überleitung zum nächsten Handlungsstrang und der Flair verfliegt wieder. Lobend zu erwähnen ist nur die engagierte Schauspielleistung von Aurore Broutin, die in ihrer Rolle als geistig leicht behinderte Esther, als verwirrte und von ihrer Umwelt überforderte Mutter auf der Suche nach ihrem Kind zu überzeugen weiß. Im phlegmatischen Schauspiel ihrer Kollegen geht allerdings auch ihre Leistung unter.

Zusammenfassend lässt sich wohl sagen, dass das Passauer Cineplex schon ein besseres Händchen bei der Auswahl seiner Sneak-Filme bewiesen hat als am 08.05, aber wer für eine halbe Maß einen neuen Film sehen will muss wohl damit rechnen, dass er enttäuscht werden kann.

 

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